David Foster Wallace: Unendlicher Spass (Infinite Jest)

Ein komplexer Roman von einem hochbegabten, aber depressiven Autor, der sich leider viel zu früh die Karte umdekoriert hat.

«‹Alles und noch mehr› könnte eine Beschreibung dieses Romans sein.» (Don DeLillo)


Offizieller Klappentext:

Irgendwann in naher Zukunft machen sich die Insassen des Entziehungsheims Ennet-House und Studenten der Enfield Tennis Academy auf die Suche nach einer Kopie von «Unendlicher Spaß», einem Film, der angeblich so unterhaltsam ist, dass der berauschte Zuschauer am Ende verhungert und verdurstet. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die Sprachmächtigkeit, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, die scharfe Analyse sowie der Humor machen diesen kurz vor der Jahrtausendwende erschienenen Roman zum Meilenstein der internationalen Gegenwartsliteratur – ungeheuerlich, maßlos, bewusstseinsverändernd. cover_unendlicher spaß_klein


Zum Autor:

David Foster Wallace wurde 1962 geboren. Er studierte Englisch, Philosophie und Mathematik, begann eine Karriere als Tennisprofi, machte sich aber schließlich einen Namen als einer der einflussreichsten und zugleich innovativsten Autoren seiner Generation. Zuletzt unterrichtete Foster Wallace Creative Writing am Pomona College in Claremont, Kalifornien. Seit langem unter Depressionen leidend, wurde David Foster Wallace am 12. September 2008 in seinem Haus in Kalifornien tot aufgefunden.


Buchkritik:

Hatte ich anfänglich auch gedacht, dass es sich um ein völlig überschätztes Buch eines Schlaumeiers handeln könnte, der damit langweilt, andauernd demonstrieren zu müssen, wieviele Fremdwörter er kennt, habe ich diese Meinung etwa ab Seite 240 vollends fahren lassen. Spätestens da habe ich einsehen müssen, dass David Foster Wallace nicht nur tatsächlich über ein schier enzyklopädisches Wissen verfügt, sondern zudem über eine feine Beobachtungsgabe bezüglich der menschlichen Psyche sowie über einen angenehm trockenen und lakonischen Humor wie auch über die Fähigkeit, all dies gekonnt sprachlich in Form zu bringen. Dank und besondere Anerkennung gebühren hier sicherlich dem Übersetzer Ulrich Blumenbach, der wirklich sowohl quantitativ als auch qualitativ etwas Kolossales vollbracht hat – worein er auch etwa fünf Jahre mühselige Arbeit investieren musste.

Ja, es ist möglicherweise stellenweise auch für den Leser etwas mühsam, die Lektüre dieses Wortungetüms zu bewältigen; nicht zuletzt wegen eines Fußnotenapparates, der knapp 400 Anmerkungen enthält. Und auch das Faible des Autors für Abkürzungen erleichtert den Lesefluss nicht. Aber dennoch: die Lektüre lohnt sich allemal.

Wallace lässt uns teilhaben an den Bewusstseinsströmen der Figuren, deren Gedankengänge und Empfindungen in jedem einzelnen Fall absolut authentisch und glaubhaft wirken. Ja, so ist der Mensch. Und zwar in allen möglichen Varianten, denn jede Figur hat ihren eigenen Sprachduktus und ihre eigene Perspektive auf die Dinge und somit auch Wahrnehmung der Welt. Die Geschichte ist gespickt mit vielen Lustigkeiten und skurrilen Einfällen, aber an manchen Stellen auch von unendlicher Traurigkeit.

Einzig der Schluss hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen, denn eine Auflösung im eigentlichen Sinne findet m. E. nicht statt. Ob dies nun bewusste Absicht des Autors war oder – bei aller uneingeschränkt zugestandenen und neidlos anerkannten Begabung – vielleicht doch auf dramaturgische Schwächen zurückzuführen ist, sei dahingestellt. Letztlich ist es unerheblich, denn ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben. Es steht ziemlich alleine da in seiner Art und ist ein verblüffendes Ding.

Also Leute: kauft es, lest es und staunt.

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