Der Literaturbetrieb – lose Gedanken zu einem vagen Gebilde

Was für ein schwammiges Wort: Literaturbetrieb. Was soll das eigentlich sein? Wer gehört dazu, wer nicht? Bin ich schon ein Teil davon und wenn nein, wie komme ich da rein? Möchte ich das überhaupt? Und wenn ja, was muss ich dafür tun?

Es  ist ein vages Gebilde, dieser Literaturbetrieb. Jeder, der in irgendeiner Form mit der Produktion oder der Veröffentlichung von Literatur zu tun hat, gehört irgendwie dazu. Die einen mehr, die anderen weniger. Von denen einen hört und liest man viel, von den anderen wenig bis gar nichts. Die einen fühlen sich dazugehörig, die anderen ausgeschlossen. Manche schaffen den Durchbruch vom Ausgeschlossensein zum Dazugehören. Etliche gehören schon allein aufgrund ihres Berufs dazu: Lektoren, Verleger, Buchhändler. Am wenigsten begründet die Bezeichnung „Autor“ ein Dazugehören. Der Literaturbetrieb setzt sich zusammen aus Individuen und Organisationen. Es gibt mächtige Gruppen, mit vornehmlich wirtschaftlichen Interessen, und es gibt Einzelkämpfer, denen es allein um die Ästhetik geht und darum, nach Möglichkeit finanziell zu überleben. Es gibt Autorenverbände, Verlage, Literaturagenturen, Buchhandlungen. Es gibt Literaturveranstalter, Literatursendungen, es gibt das Feuilleton und die Literaturblogger. Es gibt Bücherflohmärkte und Bibliotheken. Es gibt Bestsellerautoren, die nicht besonders talentiert sind, aber medienwirksam. Es gibt literarische Talente, die niemals entdeckt werden. Franz Kafka wäre beinahe so ein Talent gewesen (hätte sein Freund Max Brod nicht nach dem Tode Kafkas für die Veröffentlichung seiner Werke gesorgt – übrigens entgegen Kafkas letztem Willen). Es gibt Literaturinstitute und deren Absolventen, und es gibt Autodidakten. Es gibt diejenigen, die sich irgendwie durchschlagen, und es gibt diejenigen, denen es ganz ausgezeichnet geht. Es gibt passable Autorinnen und Autoren in Berlin, die gute Aussichten auf Literaturpreise und Stipendien haben, und es gibt die anderen passablen Autorinnen und Autoren außerhalb Berlins, die es damit etwas schwerer haben. Berlinerinnen und Berliner werden bei gleicher Eignung bevorzugt behandelt. Das ist eine der m. E. bisher noch nicht ausreichend erkannten und benannten Wahrheiten des deutschen Literaturbetriebs. Es gibt renommierte Publikumsverlage, die sich vornehmlich an den Trends aus Übersee orientieren und nur verlegen, was mit Sicherheit gut laufen wird. Und es gibt Kleinverlage, die Experimente wagen und kaum Gewinne erzielen, aber trotzdem glücklich sind. Es gibt Schreibworkshops und Schreibratgeber von mittelmäßig erfolgreichen Autorinnen und Autoren, und es gibt windige Geschäftemacherei mit der Eitelkeit von Hobbyautoren. Es gibt die zunehmend professioneller werdende Selfpublishing-Szene, und es gibt den größten Schund im Selbstverlag. Und natürlich gibt es auch den Buchhandel, der heroisch und edel wirkt in Anbetracht von Amazon und dessen zunehmend bedrohlicher wirkender Vormachtstellung, der aber seinerseits hinsichtlich seiner Praktiken und Strukturen teilweise fragwürdig ist.

Das alles und noch viel mehr ist der Literaturbetrieb. Auch indieautor.com ist ein kleiner Teil davon und möchte versuchen, das alles ein wenig zu beleuchten und zu reflektieren, um Licht ins Dickicht zu bringen und solchen Autorinnen und Autoren, die auf der Suche danach sind, nützliche Infos theoretischer und praktischer Natur an die Hand zu geben – um das eigene Schreiben zu professionalisieren.

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