Mit der Einsamkeit leben

Bei all seinen aufregenden und erfüllenden Momenten ist das Leben einer Schriftstellerin oder eines Schriftstellers manchmal ziemlich einsam. Zum Beispiel, wenn man viel Zeit, Arbeit und Herzblut in ein Buch gesteckt hat, das aber scheinbar niemanden wirklich interessiert; oder wenn man alles getan hat, was man kann, um einen Charakter oder eine Handlung zu retten, nur um endlich dann zugeben zu müssen, dass das Ganze nicht zu retten ist; wenn es so aussieht, als ob alle anderen Autorenfreunde Erfolg haben und das eigene Buch aber nur eine Handvoll Exemplare verkauft. Dies sind nur einige Fälle, mit denen eine Autorin oder ein Autor konfrontiert sein kann. Ganz zu schweigen von den unzähligen Stunden alleine am Schreibtisch. Dort kann es erhebende Zustände geben, aber auch solche der Einsamkeit und Selbstzweifel. Das sind die dunklen Momente im Leben einer Autorin oder eines Autors, und sie können sich sehr befremdlich anfühlen.

Man weiß, dass es auch andere gibt, denen es genauso geht. Man weiß, dass man damit nicht alleine ist. Aber es hilft nicht, sich das zu sagen, wenn man sich dennoch alleine fühlt. Also, was kann man gegen die Gefühle der Einsamkeit tun?

Eine Schreibgruppe finden

In den meisten Großstädten gibt es Schreibgruppen, die sich regelmäßig treffen und sich austauschen. Es gibt aber auch Unmengen von Online-Schreibgruppen. Mit Plattformen wie Google Drive und Skype ist es für Autorinnen und Autoren, die nicht in der gleichen Stadt leben, einfacher denn je, sich online zu treffen. Also, treten Sie einer bestehenden Gruppe bei. Oder gründen Sie eine eigene Gruppe.

Sie können so Ihre Arbeit mit anderen teilen und sie bitten, Ihnen Feedback zu geben, damit Sie sich verbessern können. In solchen Schreibgruppen herrscht oft große Solidarität unter den Mitgliedern. Dies ist der Ort, an dem die Erfolge der anderen gefeiert werden und mitgefühlt wird, wenn jemand Niederlagen einstecken muss. Man motiviert sich gegenseitig, gibt sich wechselseitig Tipps und Informationen. Gemeinsam ist man stärker aufgestellt. Schreibgruppen verbessern das Handwerk und verhindern Einsamkeit, und es gibt wahrscheinlich eine in Ihrer Nähe. Und wenn es keine in der Nähe gibt, benötigen Sie lediglich einen Internetanschluss, um eine zu finden. Manchen liegt die Online-Community sowieso mehr. Außerdem hat eine solche Netz-Schreibgruppe den Vorteil, dass man den heimischen Schreibplatz nicht verlassen muss, so dass man gleichzeitig mit den anderen Mitgliedern in Kontakt stehen und sich austauschen kann, während man aber auch am eigenen Manuskript weiterarbeitet.

Machen Sie eine Pause

Manchmal, trotz aller Bemühungen, funktioniert eine Schreibgruppe aber einfach nicht. Es kann zu Persönlichkeitskonflikten oder Terminierungskonflikten kommen. Jedenfalls ist letzteres manchmal bei lokalen Schreibgruppen der Fall, bei denen man sich ›in real life‹ trifft. Manchmal wird das Werk eines Schriftstellers missverstanden, was die Einsamkeit noch verschlimmern kann. Und manchmal kommt man mit seinem aktuellen Projekt nicht weiter, und alles scheint hoffnungslos verfahren.

Wenn Sie sich in einer solchen oder ähnlichen Situation befinden und es einfach nicht funktioniert: machen Sie eine Pause. Machen Sie eine Pause von der Gruppe, oder machen Sie sogar eine kurze Pause vom Schreiben. Ich sage nicht, dass man beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten aufgeben sollte; Teil einer Schreibgruppe zu sein, erfordert Engagement und bedeutet auch, mit Kritik umgehen zu können (oder zu lernen). Aber manchmal muss man wissen, wann man aufhören muss.

Wenn das passiert, versuchen Sie eine Zeitlang etwas anderes. Welche anderen Interessen können Sie für eine Weile verfolgen? Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, aber Sie hatten einfach keine Zeit dafür? Hatten Sie schon lange vor, den Stapel ungelesener Bücher zu verkleinern? Jetzt ist es an der Zeit. Es wird Ihrer Kreativität gut tun. Durch die Pause wird sich eine Fülle von neuem kreativen Material ansammeln, aus dem Sie schöpfen können, wenn Sie Ihr Schreiben wieder aufnehmen.

Akzeptanz der Unabänderlichkeit

Sie sollten sich nicht zu sehr um Ihre Gefühle der Einsamkeit sorgen. Sie sind da, und sie sind sehr real, und Sie sollten sie anerkennen. Aber sie werden wahrscheinlich nicht immer da sein. Ihre Aufgabe als Schriftstellerin oder Schriftsteller ist es, alles zu tun, was Sie können, um mit ihnen zu leben und sie zu bewältigen. Einsamkeit ist ein integraler, womöglich notwendiger Bestandteil eines schriftstellerischen Lebens.

Es ist ein essentieller und wichtiger Teil menschlicher Erfahrung allgemein: Jeder ist irgendwann einmal einsam. Für einige von uns dauert dieser Zustand Jahre oder sogar ein ganzes Leben lang an. Es ist wichtig, diese existentielle Grundkonstante zu kennen und bewusst zu erfahren. Die so gewonnenen Erkenntnisse lassen sich für das eigene Schreiben gewinnbringend verwenden.

Schreiben ist ein einsames Geschäft. Es braucht 10.000 Stunden Einsamkeit, bis man das Handwerk des Schreibens wirklich erlernt hat. Als Schriftstellerin oder Schriftsteller muss man sich damit arrangieren.

3 Gedanken zu „Mit der Einsamkeit leben

  1. Ich bin auch in einer Schreibgruppe. Das macht sehr viel Spaß und motiviert vor allem. Es gibt alle Stadien, von Plotten, über erste Überarbeitung, gerade fertig geworden bis hin zu schon mehrere Bücher veröffentlicht und das ist das tolle, denn man kann voneinander lernen und sich unterstützen. Kann ich nur empfehlen!

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  2. Was ich mich immer wieder frage, ob es sich heutzutage überhaupt noch lohnt ein Buch zu schreiben, als ein Niemand. Ich blogge und seit mehreren Jahren. Der Leserkreis wächst zwar, aber nur sehr langsam und behäbig. Wie ist das dann erst bei einem Buch?

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    1. Es lohnt sich. Insbesondere dann, wenn man das Buch in erster Linie für sich selbst schreibt und sich erst später Gedanken über eine mögliche ´Absetzbarkeit´ macht. Das Buch, das man schreiben wollte, fertiggestellt zu haben, ist ein tolles Gefühl. Natürlich ist es noch toller, wenn sich viele Leserinnen und Leser finden und man positives Feedback erhält. Aber wenn man sich selbst und seinem Schreiben treu bleibt, wird es mit Sicherheit immer mehr Menschen geben, die diese ´Authentizität´, die sich natürlich auch den Büchern anmerken lässt, zu schätzen wissen.

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