Wer bin ich, oder: Die persönliche Autorengeschichte

Als Schriftstellerin oder Schriftsteller haben Sie Stunden damit verbracht, sich um die persönlichen Geschichten Ihrer Charaktere zu kümmern und ihnen Tiefe und Besonderheit zu verleihen. Aber was ist mit Ihrer ganz persönlichen Geschichte? Es ist ein wichtiger Teil einer effektiven Autorenplattform, Ihre Anhänger, potenziellen Fans und sogar Literaturagenten und Redakteure mehr über Ihre eigene einzigartige Geschichte erfahren zu lassen. Indem Sie Ihre eigene Geschichte auf Ihren Social Media Kanälen, auf Ihrer Autoren-Website und in Ihrem Werbematerial teilen, maximieren Sie die Wirkung Ihrer Marketingaktivitäten.

Die Bedeutung Ihrer persönlichen Geschichte

Die Verwaltung der Hintergrundgeschichte eines Charakters ist eine grundlegende Technik des Geschichtenerzählens. Eine Hintergrundgeschichte gibt eine charakterliche Dimension und hilft dem Leser, die Handlungsweise des Charakters zu verstehen. Ein sehr gutes Beispiel für die Bedeutung der Hintergrundgeschichte ist Gollum, der ringbesessene Charakter aus »Der Herr der Ringe«. Wenn Gollum einfach Gollum wäre, wie wir ihn in der erzählerischen Gegenwart kennen, wäre er ein zweidimensionaler, eintöniger Charakter. Aber weil seine Hintergrundgeschichte darauf hindeutet, dass er einmal Sméagol war, ein harmloser Kerl, der zur falschen Zeit am falschen Ort war, werden unsere Emotionen aktiviert. Die Hintergrundgeschichte macht einen flachen Charakter zu einem unvergesslichen Erlebnis. Und nur durch unser Wissen um seine Biographie verstehen wir die Schizophrenie, von der Gollum befallen ist, und wir sind sogar in der Lage, Mitgefühl zu entwickeln für den Teil des Charakters, der noch immer Sméagol ist und aber von der dunklen Hälfte im Wesen von Gollum dominiert wird.

Und so ähnlich verhält es sich auch mit Ihrer persönlichen Hintergrundgeschichte als Autorin oder Autor. Ich möchte damit nicht behaupten, dass Sie − wie Gollum − unter Schizophrenie leiden. Das ist Ihre Sache und geht mich nichts an. Aber wenn Sie auf eine ansprechende Art und Weise etwas von Ihnen und Ihrer persönlichen Biographie in der Figur der Autorin oder des Autors, die Sie öffentlich präsentieren, preisgeben bzw. durchblicken lassen, kann Ihre Hintergrundgeschichte Ihnen dabei helfen, sich von anderen abzuheben.

Wie und wo Sie Ihre persönliche Geschichte verwenden können

Ihre persönliche Geschichte kann auf der ›Willkommensseite‹ bzw. Startseite Ihrer Autoren-Website oder auf Ihrer ›Über‹-Seite erscheinen. Auch in den meisten Social Media Profilen gibt es die Möglichkeit, biografische Informationen hinzuzufügen. Es wird Ihre Interaktionen mit Followern, Fans und Bekannten aus den Social Media unterstreichen. Ihre persönliche Geschichte wird jedes Mal erwähnt, wenn Sie ein Interview geben oder einen Blogbeitrag schreiben. Kurz gesagt, Ihre persönliche Geschichte wird alle Elemente Ihrer Autorenplattform durchdringen, egal, ob Sie sie absichtlich einbinden oder einfach nur erlauben, Ihre biographischen Informationen zu verwenden.

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Wichtige Aspekte

Wenn Sie Ihre persönliche Geschichte schreiben, sollten Sie die folgenden Aspekte berücksichtigen:

Seien Sie der Protagonist Ihres eigenen Lebens. − Ihre Hintergrundgeschichte zu teilen, bedeutet zugleich, sich bis zu einem gewissen Grad zu öffnen und die Leserinnen und Leser teilhaben zu lassen an bestimmten Erfahrungen und Erlebnissen, die Ihnen im Leben begegnet sind. Hierbei sollten Sie aber genau darüber nachdenken, wieviel Sie wirklich von sich preisgeben möchten. Ich persönlich bin der Ansicht, dass das Bild der Autorin oder des Autors, das man in der Öffentlichkeit von sich selbst zeichnet, nicht zwangsläufig deckungsgleich sein muss mit der Privatperson, die man ist. Das Bild, das sich die Leserinnen und Leser von Ihnen machen, wird sowieso zwangsläufig nicht deckungsgleich sein mit dem, wer und wie Sie wirklich sind.

Seien Sie vorsichtig. − Manchmal kann es schwierig sein zu wissen, wie viele Informationen zu viel sind, wenn Sie Ihre Autorenbiografie schreiben. Das Teilen persönlicher Informationen in Ihrer Autorenbiografie schafft ein besseres Bild davon, wer Sie als Person und Autor sind. Aber wie viel ist zu viel? Wann ist es angebracht, einige persönliche Informationen aufzunehmen, und wann lässt es eine Autorin bzw. einen Autor nur albern aussehen?

Theoretisch enthält die perfekte Autorenbiografie einen kurzen Überblick über Ihre Ausbildung (formal oder informell), bisherige Veröffentlichungen und einen Satz, der einer ansonsten flachen Biografie eine persönliche Note verleiht. Sie können auch ein paar mehr Sätze dazu schreiben. − Geben Sie aber nicht zu viel von sich preis und machen Sie sich nicht unnötig angreifbar. Wann immer Sie über sich selbst schreiben, stellen Sie sicher, dass Sie grundlegende Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz Ihrer Identität treffen.

Vergessen Sie nicht die ›Nebencharaktere‹. − Wer sind die Menschen, die Ihnen bei Ihrer Entwicklung zur Schriftstellerin oder zum Schriftsteller geholfen haben? Ein Mentor, ein Kind, ein Tier, ein Ehepartner, eine fiktive Figur? Das sind Ihre Nebencharaktere: Zeigen Sie, wie sie zu Ihrem Weg als Autorin oder Autor beigetragen haben.

Wofür stehen Sie? − Eine gute Geschichte hat ein Rückgrat, etwas von tiefer persönlicher Bedeutung: eine Moral, ein Credo, ein Glaube. Eine Motivation. Was ist es, das Sie zum Schreiben treibt und was sich wie ein roter Faden durch Ihre Bücher und Geschichten zieht? Sie müssen das nicht unbedingt explizit benennen. Es geht nicht darum, den Leserinnen und Lesern eine Art ›Interpretationshilfe‹ oder einen ›Filter‹ zu geben, um die ›Botschaft‹ Ihrer Bücher zu verstehen. Es reicht, eine gewisse Haltung erkennbar werden zu lassen. Wie deutlich Sie das benennen, was Ihr Antrieb ist, bleibt Ihnen überlassen. Aber einen solchen Antrieb muss es geben, sonst bleibt das Schreiben hohl.

Bleiben Sie auf dem Teppich. − Während es richtig und wichtig ist, dass Sie als Autorin oder Autor stolz auf die eigenen Leistungen sind (es ist eine Leistung, Bücher fertigzuschreiben), sollten Sie zugleich darauf achten, nicht zu arrogant oder selbstgerecht zu erscheinen. Soetwas wirkt immer unsympathisch. Mit einer gewissen Dankbarkeit und Bescheidenheit werden Sie sicher mehr Freunde, Follower und Fans gewinnen. Denken Sie daran: Es wird vermutlich immer jemanden geben, der mehr Erfolg hat und besser schreiben kann als Sie. Wirkliche Schreibtalente haben es nicht nötig zu prahlen.

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Abschließend

Es ist nicht ganz einfach, die richtige Balance zu finden zwischen dem, was man öffentlich macht, und dem, was man für sich behält. Eine Lösung könnte sein, die eigene Biographie ein Stück weit zu fiktionalisieren, d. h. man verfremdet die Fakten des eigenen Lebens, um daraus eine eigene kleine Geschichte zu schreiben. (Ein bisschen so mache ich es auch auf meiner Autorenwebsite.)


Ergänzend zu diesem Beitrag können Sie lesen: »Über den Autor«: Was man über sich auf der eigenen Website erzählen sollte

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