Selfpublishing: 30 eBook-Distributoren im Vergleich. Detaillierte Auswertung plus Empfehlungen

Aus gegebenem Anlass habe ich mich in den letzten Wochen ziemlich eingehend und detailliert mit vielen verschiedenen Selfpublishing-Anbietern auseinandergesetzt, sowohl im eBook- als auch im Print-on-Demand (PoD)-Bereich. Die Ergebnisse möchte ich nicht für mich behalten, da sie wahrscheinlich auch für andere nützlich sind. Weil es naturgemäß bei eBook und PoD teilweise recht unterschiedliche Aspekte zu beachten gilt, möchte ich die Präsentation der Ergebnisse in zwei Teile gliedern. Dieser Artikel beschäftigt sich mit eBook-Anbietern, in einem folgenden Beitrag werden PoD-Anbieter miteinander verglichen und ausgewertet.


Ein wahrer Wust

Wer ein Buch auf dem Wege des Selfpublishing veröffentlichen möchte, stößt bei der Recherche auf ein breites Angebot von Plattformen, Dienstleistern, Verlagen, Distributoren und Mischformen aus alldem, die die Möglichkeit einer eBook-Veröffentlichung anbieten, teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig oder abermals eine Mischung aus beidem. Es ist nicht leicht, da durchzublicken und zu entscheiden, welches Angebot für das eigene Projekt passend ist. Erstens gibt es sehr viele unterschiedliche Faktoren bei der Auswahl zu beachten, zweitens sind diese Faktoren bei den verschiedenen Anbietern nicht immer klar und verständlich dargestellt, was einen direkten Vergleich zusätzlich erschwert.

Gute Ansätze

Es gibt im Internet auf einschlägigen Seiten bereits ein paar löbliche Versuche, die verschiedenen Anbieter vergleichend nebeneinander zu stellen. Das geschieht entweder in Tabellenform oder in einer Auflistung, in denen jeweils bestimmte Parameter/Kriterien in Bezug auf die einzelnen Anbieter abgefragt werden. Das ist prinzipiell gut und richtig und hilft für eine erste Orientierung.

Was dabei aber fehlt, sind klare Ergebnisse bzw. Empfehlungen. Schließlich ist es das, was die oder der Selfpublisher normalerweise sucht, wenn er oder sie sich nach Entscheidungshilfe hinsichtlich eines entsprechenden Anbieters umsieht. Der Mangel an solchen klaren Empfehlungen wird i. d. R. damit erklärt, dass die Wünsche und Bedürfnisse von Selfpublishern unterschiedlich sind (das stimmt) und daher keine klare Antwort gegeben werden kann (das stimmt nicht).

Klare Empfehlungen

Zwar ist es tatsächlich so, dass man nicht sagen könnte, es gebe den besten Anbieter generell. Aber man kann durchaus bestimmen, welche Anbieter überhaupt zu empfehlen sind, von welchen eher abzuraten ist und welche für die jeweilig unterschiedlichen Bedürfnisse bzw. das jeweilige Projekt möglicherweise am geeignetsten zu sein scheinen.

Das erfordert zugegebenermaßen ziemlich viel Mühe und Aufwand, weil ein solches Vorhaben nach einer relativ weitreichenden Ausdifferenzierung sowie die Einbeziehung vieler unterschiedlicher Aspekte verlangt. Dennoch möchte ich in diesem Beitrag versuchen, möglichst klare Empfehlungen auszusprechen – auch wenn diese selbstverständlich letztlich nur subjektiv sein können. So zum Beispiel gibt es ein paar Kriterien, die einen Anbieter aus meiner persönlichen Sicht prinzipiell disqualifizieren. Andere mögen das anders beurteilen.


Vorgehensweise

Ich möchte sowohl die Selfpublisher – je nach Bedürfnislage – in unterschiedliche Interessensgruppen differenzieren als auch die eBook-Anbieter in verschiedene Formen bzw. Modelle unterteilen, um so einem/einer jeden Selfpublisher(in) zu ermöglichen, sich selbst zuzuordnen und anhand dieser Orientierung die relevanten respektive empfehlenswerten Anbieter in den Blick zu nehmen. Je nach Zuordnung kommen hier teilweise verschiedene Anbieter in Betracht, wie weiter unten zu sehen ist.

Selfpublisher: Interessensgruppen

Gruppe 1: Selfpublisher, die  ihr bereits fertiges eBook veröffentlichen möchten

Gruppe 2: Selfpublisher, die ihr Manuskript in ein eBook konvertieren lassen und dann veröffentlichen möchten

Gruppe 3: Selfpublisher, die zusätzlich zu 1 und 2  Korrektorat, Lektorat, Covergestaltung etc. suchen

Gruppe 4: Verlage, die ihr bereits fertiges eBook veröffentlichen möchten

Gruppe 5: Verlage, die Buchtitel in eBooks konvertieren lassen und dann veröffentlichen möchten

Gruppe 6: Verlage, die zusätzlich zu 4 un 5 Korrektorat, Lektorat, Covergestaltung etc. suchen

Falls sich jemand darüber wundern sollte, dass hier nun auch von Verlagen die Rede ist: Der Schritt vom Selfpublisher zum Eigenverlag und dann ggfls. weiter zum Mini-Verlag oder Kleinverlag ist nicht allzu groß und möglicherweise in manchen Fällen sogar zu empfehlen. Mit der Bezeichnung „Verlag“ sind hier solche Selfpublisher gemeint, die einer fortlaufenden Veröffentlichungstätigkeit mit eigenen ISBN nachgehen und somit bei ihren Publikationen offiziell als verantwortlicher Verlag auftreten.


eBook-Anbieter: Formen/Modelle

Modell 1: Verlage

In die Betrachtung einbezogen werden hier solche Verlage, die die Veröffentlichung und den Vertrieb von eBooks inkl. zur Verfügung gestellter ISBN anbieten, ohne dabei aber unbedingt als Verlag in den Vordergrund zu rücken. De facto sind dies Verlage, ohne dass sie aber unbedingt von den Selfpublishern oder der Öffentlichkeit sofort als solche wahrgenommen werden.

Daneben gibt es noch eine Reihe von ´offiziellen´ eBook-Verlagen, die allerdings nicht in diese Betrachtung mit einbezogen werden. Ich werde mich mit solchen ggfls. in einem gesonderten Beitrag beschäftigen.

Modell 2: Shops/Plattformen

Hierbei handelt es sich meist um Formen, bei denen die Selfpublisher ihre Werke relativ problemlos auf die entsprechende Plattform hochladen können, um sie auf diese Weise im vorhandenen Shop zum Kauf anzubieten, ggfls. auch an andere angeschlossene Händler und Shops vertreiben zu lassen.

Modell 3: Distributoren

Distributoren übernehmen für Selfpublisher und Verlage den Vertrieb der Werke an die verschiedenen Händler.

Modell 4: Dienstleister

Hierunter fallen Anbieter, die eBook-Herstellung anbieten, oftmals zusätzlich auch Korrektorat und Lektorat und die erstellten eBooks optional auch an die verschiedenen Händler vertreiben.

Es deutet sich bereits an, dass diese verschiedenen Formen oftmals fließend ineinander übergehen, so dass es manchmal nicht leicht ist, einen Anbieter eindeutig einem dieser Modelle zuzuordnen. Manche Dienstleister bieten optional auch ISBN an und treten dann als Verlag auf, manche Distributoren haben einen eigenen Shop/eigene Plattformen, manche Shops/Plattformen wiederum bieten optional auch Korrektorat, Lektorat oder komplette eBook-Herstellung an usw. usf.

Und weil es hier alle möglichen Mischformen mit allen möglichen Konditionen und Optionen gibt, ist es ja gerade so schwer, zu einer Entscheidung zu kommen, welcher Anbieter für das eigene Projekt am geeignetsten ist.


Checkliste

Man kann eine Art Checkliste mit relevanten Faktoren aufstellen, um die verschiedenen Anbieter besser miteinander vergleichbar zu machen. Je nach Interessenslage des Selfpublishers/der Selfpublisherin werden die einzelnen Faktoren eine unterschiedliche Gewichtung haben, in manchen Fällen werden einzelne Faktoren möglicherweise gar keine Relevanz haben.

  • Sitz des Unternehmens? In Hinblick auf den Support, evtl. auch steuerrechtliche Fragen oder ggfls. rechtliche Auseinandersetzungen ist es sicher von Vorteil, wenn das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat. Dadurch wird es ´greifbarer´.
  • ISBN? Fremd-ISBN möglich? Damit ein Buch im Handel auffindbar und eindeutig identifizierbar wird, braucht es eine ISBN (Internationale Standard Buchnummer). Wenn man eine ISBN vom jeweiligen Anbieter zugewiesen bekommt, veröffentlicht man das eigene Buch de facto in dessen Verlag. Benutzt man eine eigene ISBN, ist man selbst der Verlag.
  • Tantiemen? Wieviel Prozent Tantiemen man beim Verkauf erhält, ist selbstverständlich nicht unwichtig, wenn es darum geht, sich für oder wider einen Distributor zu entscheiden. Hierbei ist es wichtig, genau darauf zu achten, ob sich die Prozente auf den „Netto-Verkaufspreis“ oder den „Netto-Verkaufserlös“ beziehen. 70% vom Netto-Verkaufspreis sind um Längen mehr als 70% vom Netto-Verkaufserlös. Letzteres entspricht meistens in etwa eher 40% vom Netto-Verkaufspreis (immer abhängig von den Konditionen des jeweiligen Händlers, bei dem das Buch verkauft wird).
  • Fixkosten? Fallen für die reine Distribution irgendwelche Pauschalkosten an oder arbeitet der Anbieter allein auf Provisionsbasis? Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass Letzteres die Regel sein sollte, weil irgendwelche „Einrichtungsgebühren“ oder „Hosting-Gebühren“ im Grunde vollkommener Quatsch sind, weil das Hochladen der Dateien und auch die Distributionsprozesse zumindest bei den großen Anbietern voll automatisiert sein dürften und somit überhaupt kein Mehraufwand anfällt, der solche Gebühren rechtfertigen würde. Wenn man für die Zuweisung einer ISBN einen gewissen Grundbetrag bezahlen soll, wirkt das in gewisser Weise nachvollziehbar. Andererseits: Dadurch veröffentlicht man im Verlag des Anbieters. Und welcher ´normale´ Verlag lässt sich dafür bezahlen, dass er den Verlagspublikationen eine ISBN zuweist?
  • Vertragslaufzeit/Kündigungsfristen? Möglichst keine oder geringe Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen sind zu empfehlen, um sich nicht unnötig an einen Anbieter zu binden, mit dem man dann möglicherweise gar nicht so zufrieden ist.
  • Exklusivvertrag? Schließt der Vertrag parallele Vereinbarungen mit anderen Anbietern aus, d. h. verpflichtet man sich, alle eigenen Werke über diesen Anbieter vertreiben zu lassen? Davon ist selbstverständlich abzuraten, wenn man sich nicht absolut sicher sein kann, dass dieser Anbieter den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zu 100% entspricht.
  • einzelne Händler ausschließbar? Weil es oftmals viel höhere Margen gibt, wenn man bestimmte Shops selbst direkt beliefert und dies mitunter auch nicht besonders viel Aufwand bedeutet, ist es sinnvoll, wenn man beim jeweiligen Anbieter bestimmte Händler aus der Distribution ausschließen kann.
  • Belieferte Händler? Es ist wichtig, dass der jeweilige Distributor die bedeutendsten Händler beliefert. Das sind im deutschsprachigen Raum vor allem Amazon, die Tolino-Allianz mit Weltbild, Thalia und Hugendubel, Mayersche, Osiandersche, buch.de, buecher.de; und international neben Amazon auch Apple, Barnes & Noble, Google Play, Kobo. Ein paar andere sind auch nicht ganz unbedeutend, aber alle aufzuzählen, wäre hier zu viel.
  • Eigener Shop? Bietet der Anbieter das entsprechende eBook auch in einem eigenen Shop zum Kauf an? Das kann evtl. interessant sein, weil die Autorenmarge beim Verkauf über den Anbieter-Shop meistens höher ausfällt und es insofern vielleicht Sinn macht, auf der eigenen Website auf das Buch in diesem Shop zu verlinken. Ich persönlich finde es aber nicht so wichtig, dass der Distributor einen eigenen Shop hat.
  • eBook + Printoption? Es kann natürlich praktisch sein, wenn derselbe Anbieter sowohl die Distribution als eBook als auch Print anbietet.
  • Updates? Das ist wirklich wichtig. Es sollte möglich sein, problemlos und kostenfrei Änderungen an der eigenen eBook-Datei vorzunehmen bzw. eine bearbeitete Version hochzuladen.
  • Formate upload? In welchem Dateiformat (doc, pdf, epub, odt) kann bzw. muss man das eigene Manuskript hochladen? Je nachdem, wie oder mit welchem Programm man arbeitet, kann diese Info interessant sein.
  • Ausgabeformat? In welche eBook-Formate wird das Manuskript vom Anbieter umgewandelt? Davon hängt ab, auf welchen Lesegeräten das eBook dann funktioniert. Die gängigen Formate sind epub, mobi und evtl. pdf (für Sachbücher o. ä.).
  • Kopierschutz/DRM? Nicht uninteressant ist, ob der Anbieter das eBook verschlüsselt, d. h. das Buch mit einem digitalen Kopierschutz versieht. Hier gibt es im wesentlichen zwei Varianten: Hartes DRM (Digital Rights Management) und weiches DRM. Beim harten DRM wird das eBook codiert und ist dadurch nur auf einer bestimmten Anzahl von Lesegeräten nutzbar. Dieses Verfahren kann allerdings auch dazu führen, das selbst der offizielle Käufer – je nach Einstellung seines Geräts – technische Probleme mit der Darstellung des eBooks bekommen könnte. Weiches DRM arbeitet dagegen mit einer Art digitalem Wasserzeichen und bietet eher einen ´psychologischen´ Kopierschutz. Etwaige ´Schwarzleser´ werden durch das Wasserzeichen daran erinnert, dass sie nicht der rechtmäßige Besitzer des eBooks sind. Ich plädiere für weiches oder überhaupt kein DRM.
  • Aktuelle Verkaufsstatistik? Abgesehen davon, dass es natürlich spannend ist, die Verkaufszahlen zu verfolgen, kann es auch zur Ausrichtung der Verkaufsstrategie wichtig sein, hier mit aktuellen Zahlen versorgt zu werden.
  • Abrechnung/Auszahlung? Findet die Abrechnung bzw. Auszahlung monatlich oder vierteljährlich statt? Gibt es ´Auszahlungsschwellen´, d. h. werden Auszahlungen erst vorgenommen, wenn ein bestimmter Betrag erreicht ist? Je öfter abgerechnet und ausgezahlt wird, desto besser. Auch Kleinvieh macht Mist.
  • VLB/DNB? Schön ist es, wenn einem die (kostenpflichtige) Meldung eigener Titel an das Verzeichnis lieferbarer Bücher und das Übersenden zweier Pflichtexemplare (bei eBooks in digitaler Form) an die Deutsche National Bibliothek (DNB) abgenommen wird. Die Verpflichtung dazu besteht für jedes Buch (auch eBook), das eine ISBN trägt.

Untersuchte Anbieter

  1. Amazon KDP
  2. Bookli
  3. Bookrix
  4. Books on Demand (BoD)
  5. Bookwire
  6. ciando
  7. ebozon/eBook Schmiede
  8. epubli
  9. feiyr
  10. forever
  11. Google Play
  12. KNV
  13. Kobo
  14. Kontor New Media
  15. Libreka
  16. Libri
  17. Mach-mir-ein-ebook
  18. midnight
  19. Neobooks
  20. New eBooks
  21. Nook
  22. Open Publishing
  23. Satzweiss
  24. Smashwords
  25. Spree-books
  26. tolino
  27. Tredition
  28. Wattpad
  29. XinXii
  30. Zeilenwert

Ausgeklammert ist hier Apple iTunes, weil ich die Voraussetzung nicht erfülle, um das zu testen: Ich habe gar kein Apple.


Die Tabelle

Die unten stehende Tabelle, in der die verschiedenen Anbieter auf die oben genannten Parameter hin vergleichend nebeneinander gestellt werden, findet man hier als pdf: ebook-distributoren-im-vergleich_20161020 (sehr klein skaliert (30%) – bitte beachten bei einem eventuellen Ausdruck → Lupe benutzen! Oder einfach pdf vergrößern…)

ebook-distributoren-im-vergleich_sheet-1ebook-distributoren-im-vergleich_sheet-2

Anmerkungen zur Tabelle:

„k. A.“ bedeutet in der Tabelle normalerweise „keine Angaben“; manchmal auch „keine Ahnung“, weil es den Aufwand nicht mehr wert war, noch weiter nach evtl. vorhandenen Angaben zu forschen (durch Registrierung oder direkte Anfrage oder dergleichen; Anbieter war bereits ´durchgefallen´).

Manche der in der Tabelle gegebenen Angaben lassen sich nicht im Internet finden, sondern wurden erst durch direkten Kontakt (per eMail oder telefonisch) mit dem jeweiligen Anbieter in Erfahrung gebracht.


Auswertung

So. Jetzt haben wir jede Menge Fakten gesammelt und vergleichend nebeneinander gestellt. Das ist schon mal gut und wird der einen oder dem anderen vielleicht schon weiterhelfen. Was aber noch fehlt, ist die Auswertung. Das möchte ich anhand bestimmter Parameter jetzt versuchen.

Vorausscheidung

Zunächst einmal möchte ich einige Anbieter ausschließen, um die Qual der Wahl etwas zu verringern. Einige der Anbieter scheiden für mich persönlich aufgrund verschiedener Aspekte nämlich prinzipiell aus, so dass ich für diese keine Empfehlung aussprechen kann – egal für welche der definierten Selfpublisher-Interessensgruppen.

Bookli: Ein eingehender Blick auf die entsprechende Website reicht mir, um diesen Anbieter auszuschließen. Im eigenen Shop sind keine eBooks gelistet. Die insgesamt 9 PoD-Titel im eigenen Shop sind völlig überteuert und sehen unprofessionell aus. 5 von diesen Titeln sind vom Anbieter selbst als Softcover herausgegebene gemeinfreie Klassiker, ohne ISBN, ebenfalls völlig überteuert. Der Anbieter ist im Vorfeld vollkommen intransparent bzgl. der belieferten Händler, der Provision und allem; man erstellt zuerst ein Buch, bezahlt zuerst und erhält dann einen Autorenvertrag, den man unterzeichnen soll…

Feiyr: Ich weiß, dass Feiyr keinen schlechten Ruf hat usw.; was für mich persönlich aber zum Ausschluss führt, sind die Gebühren in Höhe von 29,99 EUR je Titel, die anfallen, wenn man ein eBook löschen lassen möchte. D. h. de facto, dass es zwar keine Vertragslaufzeit gibt und man theoretisch jederzeit kündigen kann, eine Kündigung aber praktisch eine teure Angelegenheit werden könnte, insbesondere bei mehreren Titeln. Davon abgesehen finde ich es einfach unverschämt und durch nichts gerechtfertigt. Dass eine solche Gebühr nicht notwendig ist, zeigen schließlich andere Anbieter. Wenn mir ein Unternehmen mit solchen merkwürdigen Extra-Gebühren kommt, die mich binden sollen, lasse ich immer sofort die Finger davon.

KNV: Diesen Anbieter können wir hier ausschließen, weil er mir nach eingehender Betrachtung tatsächlich nur für zumindest annähernd mittelständische Verlage interessant zu sein scheint. Die genauen Konditionen sind mir nicht bekannt und habe ich auch nicht angefragt, weil mir das alles eine Nummer zu groß ist. Die Koch, Neff und Volckmar GmbH ist neben Umbreit und libri einer der drei großen Barsortimenter in Deutschland. Eher nichts für Selfpublisher oder neugegründete Kleinverlage.

Kontor New Media: Dieser Anbieter scheidet aus, weil er überhaupt keine Distribution für eBooks anbietet, sondern nur für Film, Musik und Audiobooks. Warum ich ihn überhaupt in die Tabelle aufgenommen habe? — Weil er andernorts als potentieller Anbieter aufgeführt wird. Er ist es aber nicht. Und das sollte hier klargestellt werden.

Libri: Ich habe als Verlag mehrere Anfragen an verschiedene der angegebenen eMail-Adressen gerichtet und um weitergehende Informationen bzgl. der Konditionen bei der Distribution von eBooks gebeten – weil dahingehend auf der entsprechenden Website nicht allzu viel zu erfahren ist. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Und was ist von einem Anbieter zu halten, der auf mehrfache Anfragen einfach nicht reagiert? – Richtig: Nichts. Aber wahrscheinlich trifft hier das Gleiche zu wie bei KNV (siehe oben), und ich war mit meinen Anfragen einfach nicht wichtig genug. Trotzdem nicht nett und in meinen Augen auch unprofessionell.

New eBooks: Das ist in erster Linie ein eBook-Shop, der allerdings AutorInnen auch die Möglichkeit bietet, eigene Werke hochzuladen und zu verkaufen. Es gibt so gut wie keine Vorab-Informationen zu den Konditionen. Das Buch wird ggfls. ausschließlich im eigenen New eBooks-Shop verkauft und nicht an weitere Händler distribuiert. Das ist mir alles zu intransparent und interessiert mich auch nicht weiter.

Wattpad: Das ist eine reine eBook-Plattform, auf der man als AutorIn kapitelweise das eigene Werk in Form von seriellen Posts einstellen kann. Es gibt keinen Vertrieb an sonstige Händler. Wer einfach nur auf der Suche nach Lesern ist, kann das ausprobieren (ist allerdings eher für englischsprachige Texte geeignet). Mit einer Veröffentlichung, wie ich sie mir vorstelle, hat das allerdings nicht viel bis gar nichts zu tun.

Zeilenwert: Dieses Unternehmen bietet eBook-Konvertierung, Herstellung und Distribution ausschließlich für Verlage. Ich hatte mir ein Vertragsangebot zuschicken lassen. Und muss dankend ablehnen. Das ist mir much too much. Per se bin ich schon kein Freund von Exklusivverträgen, so dass solche Anbieter schon allein dadurch kurz vor dem Ausschluss stehen. Hier aber geht es sogar soweit, dass man laut Vertrag zum Eigenvertrieb der eigenen eBooks (z. B. im eigenen Shop auf der Website) der Genehmigung seitens Zeilenwerts bedarf. Wtf?! Außerdem hat der Vertrag eine Laufzeit von 3 Jahren. Wtf?! Updates bzw. Veränderungen an den eBooks kann man nur nach Absprache mit Zeilenwert vornehmen, und diese sind dann auch noch kostenpflichtig. Wtf?! (Bei einem solch ausgeprägtem Hang zum Geldverdienen und zur Exklusivität wundert es einen nicht, dass das Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit in die repräsentative Richtersche Villa in Rudolstadt umziehen konnte. Seit Übernahme von libreka durch Zeilenwert ist übrigens bei libreka das Provisionsmodell abgeschafft und stattdessen ein Pauschalkostenmodell pro Titel eingeführt worden. Irgendwie wirkt das alles auf mich, als ob die Leute von Zeilenwert in ihrem Inneren zutiefst ängstliche Menschen sind und sich darum nach allen Seiten hin absichern…) Nichts für mich.

Weiter geht´s!

Nachdem wir jetzt immerhin schon einmal über ein Viertel (8 von 30) der Anbieter haben aussieben können, verbleiben aber immer noch 22, die es zu beurteilen gilt.

Hier kommen nun die verschiedenen Interessensgruppen zum Zug. Welche dieser Anbieter kommen überhaupt für welche Interessensgruppe grundsätzlich in Frage?


Zuordnung nach Interessenslage

Gruppe 1 (Selfpublisher – Veröffentlichung): Amazon KDP, Bookrix, BoD, ebozon, epubli, Google Play, Kobo, mach-mir-ein-ebook, neobooks, Nook, Satzweiss, Smashwords, spree-books, tolino, tredition, XinXii

Gruppe 2 (Selfpublisher – Konvertierung/Veröffentlichung): Amazon KDP, Bookrix, BoD, ebozon, epubli, Kobo, mach-mir-ein-ebook, neobooks, Nook, Satzweiss, Smashwords, spree-books, tolino, tredition, XinXii

Gruppe 3 (Selfpublisher – Konvertierung/Lektorat/Gestaltung etc./Veröffentlichung): BoD, ebozon/eBook Schmiede, forever, mach-mir-ein-ebook, midnight, spree-books, tredition, XinXii

Gruppe 4 (Verlag – Veröffentlichung): Amazon KDP, BoD, Bookwire, ciando, ebozon, (Google Play – vorübergehend keine Registrierung für neue Verlage möglich, Stand 18.10.2016), Kobo, libreka, mach-mir-ein-ebook, Nook, Open Publishing, Satzweiss, Smashwords, spree-books, tredition, XinXii

Gruppe 5 (Verlag – Konvertierung/Veröffentlichung): Amazon KDP, BoD, Bookwire, ciando, eBook Schmiede (ebozon), Kobo, libreka, mach-mir-ein-ebook, Nook, Open Publishing, Satzweiss, Smashwords, spree-books, tredition, XinXii

Gruppe 6 (Verlag – Konvertierung/Lektorat/Gestaltung etc./Veröffentlichung): BoD, eBook Schmiede (ebozon), libreka, mach-mir-ein-ebook, spree-books, tredition, XinXii

Jetzt haben wir eine Einteilung vorgenommen, welche Anbieter prinzipiell für welche Gruppe in Frage kämen. Als nächstes gilt es nachzudenken, was man möchte. Denn manche der Anbieter sind Distributoren (oder nutzen solche), die den Handel flächendeckend mit dem eBook beliefern (hierzu zählen: Bookrix, BoD, ciando, ebozon, epubli, forever, libreka, mach-mir-ein-ebook, neobooks, Open Publishing, Satzweiss, spree-books, tredition, XinXii); andere Anbieter sind Shops oder Plattformen, die das eBook nicht weitervertreiben, sondern ausschließlich im eigenen Shop verkaufen, was allerdings aufgrund der Größe der Anbieter ebenfalls weltweit geschehen kann (hierzu zählen: Amazon KDP, Google Play, Kobo, Nook, Smashwords und gewissermaßen auch Tolino; Apple iTunes gibt es natürlich auch noch, aber wie gesagt: ich habe gar kein Apple).

Die Frage ist also: Möchte man die großen Shops selbst direkt beliefern, oder möchte man den Vertrieb einem Distributor anvertrauen?


Vorteile und Nachteile der Direktbelieferung

Vorteile: Bei Direktbelieferung der Shops erzielt man ein höheres Honorar, man hat i. d. R. aktuelle Verkaufsstatistiken des Shops, man behält die volle Kontrolle über die eigenen Werke, es fallen normalerweise keine Fixkosten an, es gibt keine Vertragslaufzeiten und bestenfalls sehr kurze Kündigungsfristen.

Nachteile: Der Vertrieb ist zunächst auf diesen Shop beschränkt; andere Shops müssen ggfls. separat direkt beliefert werden. Es ist somit ein ziemlicher Mehraufwand. Und trotzdem sind auf diesem Weg für Selfpublisher nicht alle Händler erreichbar.

Vorteile und Nachteile der Distribution

Vorteile: Der Vertrieb an die großen Shops wird einem abgenommen, man muss sich nicht mit etwaigen (verwaltungs-)technischen Problemen der einzelnen Shops auseinandersetzen, man erhält eine gebündelte Übersicht über die einzelnen Vertriebskanäle sowie eine Abrechnung aus einer Hand und erreicht im besten Fall den beinahe kompletten relevanten Buchhandel weltweit.

Nachteile: Naturgemäß fallen die Tantiemen geringer aus, wenn man sich für einen Zwischenhändler entscheidet, man gibt ein Stück weit die Kontrolle aus der Hand und geht mitunter eine exklusive vertragliche Bindung ein, was die eigene Flexibilität einschränkt.

Diese grundsätzliche Entscheidung kann tatsächlich nur jede/r für sich selbst treffen. Allerdings gibt es auch Möglichkeiten der Kombination, wenn der gewählte Distributor es zulässt, einzelne Shops von der Belieferung auszuschließen. D. h., man kann einen Shop direkt beliefern und alle anderen Shops von einem Distributor beliefern lassen. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man auf diese Weise ein deutlich höheres Honorar erzielen kann.

Unnötig zu sagen, dass es jedem unbenommen bleibt, exklusiv in nur einem Shop (z. B. Amazon) zu veröffentlichen oder bestimmte Shops (z. B. Amazon) aus persönlichen oder ideologischen Gründen nicht beliefern zu wollen. In diesem Beitrag gehe ich der Einfachheit halber von der Annahme aus, dass man mit dem eigenen eBook die größtmögliche Leserschaft erreichen möchte.


Auswertung und persönliche Empfehlungen

Jetzt möchte ich abschließend noch unverbindliche Empfehlungen aussprechen, wie ich es machen würde, je nachdem, welcher Gruppe von Selfpublishern ich zugehören würde. Dabei kämen jeweils folgende subjektive Kriterien zum Tragen:

  1. geringe oder keine Fixkosten/Distribution auf Provisionsbasis
  2. kein Exklusivvertrag
  3. keine oder nur geringe Vertragslaufzeit
  4. möglichst hohe Reichweite
  5. problemlose Updates
  6. möglichst aktuelle Verkaufsstatistiken
  7. möglichst monatliche Abrechnungen

Gruppe 1: mögliche Varianten

  • a) die großen Shops selbst beliefern, dazu evtl. Bookrix, epubli, neobooks oder XinXii
  • b) Amazon KDP direkt beliefern (evtl. zunächst drei Monate exklusiv über das „Select“-Programm), dann dazu Bookrix, epubli, neobooks oder XinXii
  • c) alle Händler entweder über Bookrix, BoD, epubli, neobooks oder XinXii beliefern

Persönliche Empfehlung: Zuerst drei Monate Amazon KDP „Select“, um das eBook bei Amazon möglichst gut zum Laufen zu bringen, nach Ablauf von „Select“ dann XinXii als Distributor für die anderen Shops dazu nehmen.

Warum XinXii und nicht Bookrix, BoD, epubli oder neobooks, die auch mehr oder weniger meine oben aufgezählten subjektiven Kriterien erfüllen? – Weil bei XinXii das meiste Geld für Selfpublisher herausspringt. Hier kommen dann also deutlich die zu erzielenden Tantiemen als entscheidende Variable in die Überlegung hinein. Hierbei spielt wiederum der für das eBook angesetzte Verkaufspreis eine Rolle. Einen guten Beitrag samt Tabelle zum Honorarvergleich gibt es auf der Selfpublisherbibel (die meisten der Werte haben noch aktuelle Gültigkeit, ob das auf alle angegebenen Zahlen zutrifft, habe ich im einzelnen nicht überprüft).

BoD scheidet bei der empfohlenen Kombination aus, weil sich bei BoD keine einzelnen Händler ausschließen lassen, eine eigene Direktbelieferung von Amazon oder anderen Shops also nicht zulässig ist.

Was reizvoll bei neobooks sein könnte, ist die Möglichkeit, von den angeschlossenen Verlagen Droemer Knaur oder Rowohlt entdeckt und ins offizielle Verlagsprogramm übernommen zu werden.


Gruppe 2: mögliche Varianten

  • siehe Gruppe 1

Persönliche Empfehlung: Tatsächlich komme ich hier zu demselben Ergebnis wie bei Gruppe 1. Das ist etwas schade, weil ich mir der Abwechslung halber etwas mehr Ausdifferenzierung gewünscht hätte, aber was soll man machen? Es ist, wie es ist. Eine einfache eBook-Konvertierung ist ja nunmal auch keine große Sache und daher meistens bei den großen Selfpublishing-Anbietern inklusive, macht also bei der Auswahl keinen großen Unterschied.

Nebenbei bemerkt gibt es ein paar kostenlose oder kostengünstige Programme, mit denen man eine einfache eBook-Konvertierung und -Bearbeitung auch ganz gut selbst machen kann: z. B. Calibre, Jutoh, Sigil.

Das erstellte eBook sollte man dann noch auf Fehlerhaftigkeit überprüfen, um eine einwandfreie Funktionalität auf den Lesegeräten zu gewährleisten. Hierzu eignen sich z. B.: EPUB Validator, epubcheck 4.0, pagina EPUB-Checker.


Gruppe 3: mögliche Varianten

  • a) XinXii oder BoD (bei XinXii ist, wie gesagt, die Autorenmarge etwas besser)
  • b) forever/midnight (wenn man in einem renommierten Verlag veröffentlicht werden möchte; die Autorenmarge ist hier allerdings deutlich geringer als bei reinem Selfpublishing)
  • c) ebozon/eBook Schmiede, mach-mir-ein-eBook, spree-books oder tredition kommen evtl. in Frage, wenn man ein Komplettpaket aus einer Hand sucht, d. h. wenn man – neben Veröffentlichung/Distribution und optionalem Korrektorat bzw. Lektorat – das eBook zusätzlich beim selben Anbieter herstellen und gestalten lassen möchte

Persönliche Empfehlung: Das hängt davon ab, wie weit der Service reichen soll, den man zusätzlich zu Veröffentlichung und Vertrieb buchen möchte. Wenn man bereits ein fertiges eBook hat, das aber evtl. noch einmal Korrektur gelesen werden soll, würde ich aus rein finanzieller Sicht XinXii oder BoD empfehlen, ohne aber irgendetwas aus eigener Erfahrung bzgl. der Qualität des jeweiligen Lektorats sagen zu können.

Wer das eBook erst noch erstellen und gestalten lassen möchte, kann hierzu ebozon/eBook Schmiede, mach-mir-ein-eBook oder spree-books ausprobieren. Zu keinem der drei Anbieter habe ich Erfahrungswerte. spree-books war in einem ersten Mail-Kontakt recht sympathisch, aber das sagt ja noch nicht viel über die Qualität aus. Von tredition muss ich hier abraten, weil dort keine eigenständige eBook-Veröffentlichung angeboten wird, sondern das eBook lediglich als Zusatzprodukt zu Paperback und Hardcover gesehen wird, man dementsprechend einen ziemlich hohen Preis für das einzige angebotene Veröffentlichungspaket, in dem alle drei Ausgaben enthalten sind, bezahlen muss. Wer aber ohnehin auch mit einer Print-Veröffentlichung liebäugelt, kann möglicherweise auch hier fündig werden.

Wer den vollumfänglichen Service und die Betreuung eines renommierten Publikumsverlags sucht und zudem in einem der gesuchten Genres schreibt, kann sich mit seinem Manuskript bei forever oder midnight versuchen. Zu verlieren hat man nichts, und wenn man genommen wird, ist man bei Ullstein.


Gruppe 4: mögliche Varianten

  • a) die großen Shops selbst beliefern, dazu ggfls. Bookwire, libreka, Open Publishing, Satzweiss oder XinXii
  • b) Amazon KDP direkt beliefern (evtl. zunächst drei Monate exklusiv über das „Select“-Programm), dann dazu Bookwire, libreka, Open Publishing, Satzweiss oder XinXii
  • c) alle Händler entweder über BoD, Bookwire, ciando, libreka, Open Publishing, Satzweiss oder XinXii beliefern

Persönliche Empfehlung: Nicht die Katze im Sack kaufen. Zunächst keinen Exklusivvertrag eingehen, sondern am besten (bei mehreren Titeln und unterschiedlichen Projekten) verschiedene Anbieter ausprobieren und direkt vergleichen. Anfänglich den Schwerpunkt auf die kostenlosen Anbieter setzen: XinXii, in Kombination mit Direktbelieferung von Amazon KDP. Mit einigen Titeln vielleicht auch libreka und Open Publishing testen. Bei Projekten, die nicht nur als eBook, sondern zugleich auch als Print erscheinen sollen, kommen möglicherweise auch BoD oder tredition in Betracht.

Im Zuge zunehmender Professionalisierung und wachsendem Verlagsprogramm kann man sich dann später überlegen, ganz zu einem der auf Verlage spezialisierten Anbieter zu wechseln: Bookwire, ciando, libreka, Open Publishing oder Satzweiss (vielleicht auch weiterhin Amazon KDP separat beliefern). Meine persönlichen Favoriten wären nach meinem jetzigen Wissensstand Bookwire oder libreka (mit Tendenz zu Bookwire), weil hier sowohl aktuelle Verkaufsstatistiken als auch monatliche Abrechnungen geboten werden. Das Verwaltungsprogramm von Bookwire macht einen sehr komfortablen Eindruck. Open Publishing ist auch nicht unsympathisch. Ich habe mir bei einem Telefontermin per Screen Share eine Einführung in das entsprechende Verwaltungsprogramm des Unternehmens geben lassen. Das macht ebenfalls einen ordentlichen Eindruck. Was mich hier ein bisschen stört, ist die quartalsweise Abrechnung.

Der Vorteil der auf Verlage spezialisierten Distributoren liegt jedenfalls eindeutig darin, dass von diesen Anbietern digitale Benutzeroberflächen zur Verfügung gestellt werden, die eine für Verlage sehr wichtige komfortable Titelverwaltung mit detaillierten Verkaufsstatistiken und Metadaten möglich machen, was bei wachsender Titelanzahl unerlässlich ist. Manche der Anbieter haben darüber hinaus noch weitere für Verlage interessante Optionen im Angebot, wie z. B. „Blick ins Buch“-Widget, Integration von direktem eBook-Download in den eigenen Online-Shop, Implementierung eines eigenen Shops, das Anlegen von Imprints im Verwaltungsprogramm, Aufbau einer eigenen Selfpublishing-Plattform, automatisierte Autorenhonorarauszahlung, diverse Partner-Programme usw. usf.

Falls sich jetzt jemand fragt, warum hier ebozon/eBook Schmiede, mach-mir-ein-ebook und spree-books überhaupt nicht erwähnt werden, obwohl sie weiter oben als prinzipielle Anbieter für die Gruppe 4 angeführt worden sind: Das liegt daran, dass sie prinzipiell zwar in Frage kommen, es genau betrachtet bei reiner Distribution aber überhaupt keinen Sinn macht, diese Anbieter zwischenzuschalten, wenn man selber ein Verlag ist. Weil man dann nämlich auch ohne die Vermittlung solcher Anbieter direkt die entsprechenden Verlagsdistributoren nutzen kann, mit denen auch diese Anbieter arbeiten. Dadurch spart man Geld.


Gruppe 5: mögliche Varianten

  • siehe Gruppe 4

Persönliche Empfehlung: Ich würde es im Grunde genauso machen wie bei Gruppe 4, aber hier natürlich etwas genauer auf die Kosten für die eBook-Konvertierung schauen und danach die Anbieter auswählen, die ich ausprobiere. Ansonsten alles gleich. Bei zunehmender Professionalisierung und Größe dann Wechsel zu einem der auf Verlage spezialisierten Distributoren, mit Präferenz für Bookwire (oder libreka).


Gruppe 6: mögliche Varianten

  • a) man beauftragt spezialisierte Dienstleister zur Erstellung des eBooks und des Covers, um dann mit dem fertigen Produkt vorzugehen wie bei Gruppe 4 beschrieben
  • b) man nutzt einen der Anbieter, bei denen man als Verlag alles aus einer Hand (eBook-Erstellung, Cover, Lektorat etc.) inkl. Distribution erhält: BoD, eBook Schmiede (ebozon), libreka, mach-mir-ein-ebook, spree-books, tredition, XinXii

Persönliche Empfehlung: Mit XinXii oder BoD (letzteres bei zusätzlich geplanter Print-Produktion) starten. Bei einzelnen Projekten und ausreichendem Budget evtl. die Dienstleister (eBook Schmiede, mach-mir-ein-eBook, spree-books, Tredition) testen. Später dann mit zunehmender Professionalisierung und Größe des Verlags externe freiberufliche Spezialisten zur engeren und anhaltenden Zusammenarbeit für eBook-Erstellung und Cover-Gestaltung suchen, dann mit den fertigen eBooks einen der auf Verlage spezialisierten Distributoren (z. B. Bookwire, libreka, Open Publishing) nutzen.


Das war´s.

Demnächst folgt eine entsprechende Auswertung für Print-on-Demand-Anbieter.

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22 Gedanken zu „Selfpublishing: 30 eBook-Distributoren im Vergleich. Detaillierte Auswertung plus Empfehlungen

  1. Pingback: Mehr Besucher im Blog mit dem eigenen gratis eBook im Buchhandel

  2. Pingback: Selfpublishing: Die Basics | indieautor

  3. Toll, dass du dir so viel Arbeit gemacht hast. Ich empfehle außerdem Draft to Digital, eine US-Seite, die Kobo, iTunes, tolino, Scribd und noch 2 kleine Vertriebe abdeckt. Der Vorteil dieses Services ist, dass er Bücher nach Weltbild und Konsorten bringt, die man als dauerhaft kostenloses Buch anbieten will. Man muss dann nur noch Amazon davon überzeugen, den Preis entsprechend anzupassen.

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      • Servus! Nochmal Danke für den Artikel.

        Ich hab mich jetzt dafür entschieden deiner Empfehlung zu folgen. Zuerst drei Monate Amazon KDP „Select“, dann XinXii. Allerdings will ich mein Buch auch dem Buchhandel anbieten. Hast du da eine Empfehlung? BOD fällt raus, da ich ein Hörbuch anbieten möchte und tredition ist mir mit 149,- zu teuer. Hast du da einen Tipp?

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      • I see. Wenn Du ein fertiges Hörbuch und ein Print-Buch hast, könntest Du beides z. B. über Feiyr vertreiben lassen. Da hast Du dann allerdings diese 30,- EUR Auslistungsgebühr (pro Titel), falls Du irgendwann mal den Anbieter wechseln möchtest o. ä.
        Ansonsten kannst Du natürlich auch kombinieren: das Hörbuch über Feiyr oder XinXii (vielleicht auch Kontor New Media?) vertreiben, das Printbuch z. B. über BoD, epubli oder neobooks. Mit dem Vetrieb von Audiobooks habe ich bisher keine persönlichen Erfahrungswerte, für den Vertrieb von Print würde ich aber vermutlich BoD wählen.
        So kommt Dein Buch dann als Print und Audio in den (Online-)Handel. Was Buchhandlungen anbelangt, wird das wahrscheinlich eher nichts; es sei denn, Du oder Interessenten für Dein Buch überzeugen entsprechende Buchhändler davon, dass sie Dein Buch bestellen und am besten auch stationär auf Lager haben sollten… Vielleicht würden Buchhändler Dein Buch für den Bestand ordern, wenn die Nachfrage entsprechend hoch wäre, aber ´von alleine´ passiert da nichts – selbst wenn Dein Buch im VLB gelistet ist.

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      • Der Vertrieb von dem Hörbuch ist geregelt, soll also nicht über einen Anbieter gehen. Das macht alles das Studio.

        Nur Print über BOD geht doch nicht, oder? Die wollen doch die exklusiv Rechte. Buchhandlungen hab ich schon die tatsächlich mein Buch aufnehmen. Deswegen ist mir das auch wichtig.

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      • Hm, ob Du bei BoD auch Print ohne die zusätzliche eBook-Version nutzen kannst, weiß ich gar nicht. Ausprobieren oder anfragen. Müsste ja aber eigentlich möglich sein – kann Dich ja keiner dazu zwingen, ein eBook zu veröffentlichen, wenn Du aber nur Print haben möchtest…

        Bei den Print-Anbietern sieht es leider grundsätzlich etwas dünner aus als bei den eBook-Anbietern, was die Wahlmöglichkeit anbelangt. Aber epubli oder neobooks wären neben BoD sicherlich auch okay, wobei ich bisher in Sachen Print nur mit epubli Erfahrungen gemacht habe – und das ist mittlerweile fast acht Jahre her. Das Ergebnis (das Buch) war zufriedenstellend, zum Vertrieb kann ich nicht viel sagen, weil dieses Buch damals eine Auftragsarbeit für den Privatgebrauch war und nicht im Handel vertrieben wurde. Bei neobooks habe ich bisher nur Erfahrungen mit eBooks – die Print-Option dort ist relativ neu.

        Konkretere Empfehlungen kann ich sicher später aussprechen, wenn ich mich eingehender mit den Print-Anbietern beschäftigt haben werde. Das steht noch aus, wird aber aus gegebenem Anlass in nicht allzu weit entfernter Zukunft geschehen…

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      • Dank dir auf jeden Fall. Ich hab mal bei neobooks angefragt, ob das so geht. Mal schauen. Ich bin schon froh das ist das mit dem E-Book Erstellen jetzt endlich auf die Reihe bekommen hab.

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  4. Vielen Dank für den informativen Beitrag!!!
    Wie sieht es aus mit der Möglichkeit zur Veröffentlichung unter geschlossenem Pseudonym?
    Meines Wissens fällt bspw. Amazon KDP dabei raus, weil man gesetzlich verpflichtet ist, eine ladungsfähige Adresse im Impressum anzugeben und ja bei solchen Anbietern für alles selbst verantwortlich ist.
    BoD hingegen fügt ein eigenes Impressum hinzu und tritt somit gewissermaßen als Verlag auf, was es ermöglicht für die Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben. Gilt das auch für die anderen Distributoren, also XinXii usw.?

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    • Grundsätzlich tritt jeder Anbieter, der dem Selfpublisher eine ISBN aus seinem Bestand zur Verfügung stellt, als Verlag auf. Insofern ist das Veröffentlichen unter geschlossenem Pseudonym kein Problem. Für XinXii und Neobooks zum Beispiel kann ich das aus eigener Erfahrung bejahen, dass das möglich ist. Ob das in der Praxis auf alle Anbieter zutrifft oder ob manche ein geschlossenes Pseudonym auf Basis ihrer AGB ausschließen, kann ich Dir ad hoc nicht beantworten. Da musst Du ggfls. bei dem für Dich interessanten Anbieter dann entsprechend die AGB dahingehend durchgehen. Aber in der Regel wird die Verwendung eines geschlossenen Pseudonyms wohl möglich sein, weil die Anbieter die Verantwortung für die Inhalte ja durch ihre AGB und Nutzungsbedingungen ohnehin bei den AutorInnen belassen, so dass ihnen durch das Zulassen geschlossener Pseudonyme eigentlich keinerlei Risiko entsteht. In rechtlicher Hinsicht würde immer der Autor/die Autorin verantwortlich für den Inhalt gemacht werden. Und der Anbieter weiß ja, wer hinter dem geschlossenen Pseudonym steckt…

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