Die Biobibliographie – die was?!?

Wenn man als Schreibende(r) die ersten Schritte hinaus in den Literaturbetrieb wagt, um beispielsweise einen Literaturpreis zu gewinnen, der einem so sicher ist wie das Amen in der Kirche, wird man vermutlich zum ersten Mal auf diesen Fachjargon stoßen: Biobibliographie. Was soll das denn sein?

Begriffsklärung

Man schlägt im Duden nach und findet nichts. Nein, wahrscheinlich schlägt man heutzutage nicht mehr im Duden nach, sondern tippt das bei Google ein. Und dann werden einem ungefähr 109.000 Ergebnisse in 0,40 Sekunden angezeigt. Man sucht sich eines der prominentesten und seriös wirkenden Ergebnisse aus (das erstbeste; an zweiter Stelle aktuell übrigens: der Duden) und findet folgende Erklärung:

Bio|bi|blio|gra|phie, die: Nachschlagewerk, das neben den wichtigsten Angaben über eine Person od. eine Mehrzahl von Personen ein Verzeichnis ihrer Veröffentlichungen u. in vielen Fällen auch eine Bibliographie über diese Person(en) enthält.

Ja, und mehr ist es auch nicht. In unserem Falle handelt es sich selbstverständlich nicht großspurig um ein „Nachschlagewerk“; denn besonders viel zum Nachschlagen gibt es wahrscheinlich nicht. Aber vom Prinzip her ist es dasselbe, wenn auch in reichlich abgespeckter Form: Eine Zusammenführung von Lebensdaten und Publikationsliste.

Die Gestaltung

Bleibt nur noch zu sagen, dass die Autorin bzw. der Autor in der Gestaltung einer solchen Biobibliographie ziemlich frei ist. Das ist an und für sich eine schöne Sache. Man kann ganz nüchtern die Daten auflisten oder aber auch eine kleine Erzählung daraus machen. Nur allzusehr aufbauschen sollte man das Ganze nicht, vor allem in Hinblick auf die eigenen Publikationen, falls es da noch nicht viel vorzuweisen gibt. Nicht jede veröffentlichte Kontaktanzeige im Stadtanzeiger, nicht jeder Artikel in der Cliff-Richard-Fanzeitschrift wollen in der Biobibliographie genannt sein. Es ist sogar besser, soetwas nicht zu erwähnen – auch dann nicht, wenn einem selbst diese Veröffentlichungen viel bedeuten und man gute Erinnerungen damit verknüpft.

Welche Publikationen gehören da rein?

Gerade als Anfänger neigt man dazu, an diesem Punkt zu überlegen, was man nicht alles als Veröffentlichung oder dergleichen angeben könnte. ´Nichts´ sieht so mickerig aus. Ich würde dennoch dazu raten, hier nüchtern zu bleiben.

Auch Publikationen im Selbstverlag sind hier nicht an erster Stelle zu nennen, sondern bestenfalls zusätzlich zu erwähnen, wenn die Biobibliographie zum Beispiel im Rahmen einer Preisausschreibung oder der Bewerbung um ein Literaturstipendium verlangt ist. Denn eine Eigenpublikation steht zwar mittlerweile nicht mehr oder kaum noch in Verruf, ist aber anderseits wenig aussagekräftig, weil es heutzutage auf dem Weg des Selfpublishing prinzipiell jedem möglich ist, alles zu veröffentlichen. Und vor allem Publikationen in Zuschussverlagen sprechen nicht für die Autorin oder den Autor, denn diese Option einer Veröffentlichung sollte niemand wählen. Und wenn es doch aus Unwissenheit und ein bisschen falscher Eitelkeit in der Vergangenheit vorkam, sollte man darüber schweigen und es als Anfängerfehler verbuchen. Ein Fehler, der vermutlich teuer war.

Wenn man noch nicht viele oder bisher gar keine Publikationen in „richtigen“ Verlagen oder Medien hat, ist das okay. Profis im Literaturbetrieb werden Verständnis dafür haben, dass man am Anfang noch nicht viel vorzuweisen hat. Und umso beeindruckter sein, wenn der eingereichte Text dann durch literarische Qualität überzeugt. Übertrieben aufgebauschte Biobibliographien wirken im Gegenteil eher unfreiwillig komisch. Und auch wenn manche Übertreibungen und Angaben selbstironisch gemeint sein sollten: nicht jeder Lektor oder jede Jurorin findet jede witzig gemeinte Formulierung auch wirklich witzig. Von daher würde ich persönlich anraten, das Ganze eher sachlich zu halten.

Fazit

Ist in der Biobibliographie eigentlich nichts Besonderes verlangt, so ist es dennoch gar nicht so einfach, für sich die richtige Form zu finden. Am besten ist es vermutlich, sich diverse Biobibliographien von Autorinnen und Autoren auf Buchumschlägen, Waschzetteln und Verlagsankündigungen anzuschauen, die man gelungen findet, und anhand dieser Orientierung die für die eigene Darstellung passendste Form zu basteln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s