4 nötige Veränderungen im Denken, um vom Schreiben leben zu können

Die meisten Autoren bemühen sich, das bestmögliche Buch zu schreiben, aber sobald es veröffentlicht ist, fragen sie sich, warum sie damit so wenig oder gar kein Geld verdienen. Das liegt daran, dass es mit dem Schreiben und Veröffentlichen in der Regel noch nicht getan ist, wenn man erfolgreich Bücher verkaufen möchte. Dazu gehören zusätzliche Maßnahmen, die nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen der meisten Autorinnen und Autoren gehören: PR & Marketing. Aber vielleicht verhilft es dazu, die erforderlichen Schritte in diesem Bereich zu unternehmen, wenn man die Perspektive etwas verändert und sich selbst nicht mehr nur als Autorin oder Autor betrachtet, sondern als das, was man als Selfpublisher de facto ist: ein Einzelunternehmen.

(1) Sieh dich selbst als UnternehmerIn

Es mag auf den ersten Blick für manchen vielleicht etwas befremdlich wirken, eine(n) SchriftstellerIn als UnternehmerIn zu sehen. Aber schon längst sind Künstler in allen Sparten Vermarkter ihrer eigenen Kunst geworden. Anders geht es heute fast nicht mehr. Selbst wenn man kein Selfpublisher ist, sondern von einem renommierten Publikumsverlag unter Vertrag genommen wird, ist es gerne gesehen (oder wird sogar erwartet), dass man Vermarktung in eigener Sache betreibt. Es könnte sogar sein, dass es die Chancen auf einen Verlagsvertrag erhöht, wenn aus dem eingereichten Projektangebot hervorgeht, dass man in den sozialen Netzwerken sehr präsent ist und womöglich schon über eine gewisse Anzahl von Followern verfügt. Aber das nur am Rande.

Ein Unternehmer ist jemand, der Ideen verwertet, d. h. er nimmt, was in seinem Kopf ist, und macht diese Ideen zu einem Wert in der Welt. Das Gleiche gilt für die Unternehmerin.

Wenn wir ein Buch schreiben und es veröffentlichen, egal ob es sich um Sachliteratur oder Fiktion handelt, schaffen wir Wert auf zwei Arten. Wir schaffen einen Mehrwert für die LeserInnen, weil sie hoffentlich gut unterhalten werden und etwas Ausgleich zum oft stressigen Alltag finden – im besten Fall vielleicht sogar neue Sichtweisen und Perspektiven kennenlernen und auf diese Weise gar eine Bewusstseinsveränderung erfahren.
Und wir schaffen auch Wert für uns selbst, weil wir die Bücher verkaufen und Geld verdienen mit unserem Schreiben, oder zumindest ist es wahrscheinlich die Absicht der meisten von uns.

Es trifft also absolut zu, dass AutorInnen aus ihren Ideen Wert schaffen. Als Autorin oder Autor kann man sagen: „Ich habe das, was in meinem Kopf war, in dieses Buch verwandelt.“ Und daraus lassen sich abermals viele verschiedene Produkte machen, wie ich unten noch weiter ausführen werde.

Wenn wir uns selbst als UnternehmerIn sehen, setzen wir uns aktiv dafür ein, neue Dinge in der Welt zu schaffen, die unseren Kunden bzw. unseren Lesern und uns selbst einen Mehrwert bieten.
Sobald Du Deine eigene Identität als Autor-Unternehmer neu definiert hast, wirst Du es viel einfacher finden, die Kontrolle über Dinge wie das Marketing zu übernehmen oder die finanzielle Seite des Schriftstellerseins zu verstehen. Den Schritt hin zu dieser Denkweise zu vollziehen und sich selbst neu zu betrachten als Autor-Unternehmer ist gleichbedeutend damit, mehr Kontrolle zu erlangen und den eigenen Erfolg oder Misserfolg weniger dem Zufall zu überlassen. Man übernimmt die Verantwortung für das eigene schriftstellerische Geschick.

(2) Fokus auf die Schaffung skalierbaren Einkommens

Was meine ich mit ›skalierbar‹? Das bedeutet, dass man einmal etwas erstellt und dann immer wieder Geld dafür bekommt. Cool, oder? Wenn wir einmal ein Buch schreiben, können wir es wieder und wieder verkaufen.
Skalierbar bedeutet auch, dass die Art der Verwertung prinzipiell nicht begrenzt ist. Zum Beispiel existiert dieses Buch „Von Selbstmorden und anderem Zeitvertreib“ von mir als schöne Hardcover-Ausgabe. Es existiert aber auch als eBook, das eine Person kaufen kann – oder Millionen von Menschen können es kaufen. Es sieht jedoch so aus, als würden es weniger werden. Das Buch wird auch als Taschenbuch erscheinen. Manche Texte aus dem Buch erscheinen als Audiobooks. Und auch Übersetzungen ins Englische (oder sogar andere Sprachen) wären denkbar.
Aus einem Buch können viele verschiedene Produkte werden. Also: ich erschaffe es einmal, und ich verkaufe es Millionen und Abermillionen von Malen, bis ich Jeff Bezos als reichsten Mann der Welt ablöse.
Das ist die Definition von ›skalierbar‹ (mehr oder weniger). Deine Einnahmen sind in erster Linie nicht abhängig von einem ´Arbeitslohn´, den Du erhältst, weil Du eine gewisse Zeit über eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt hast, sondern man erstellt etwas, das sich prinzipiell beliebig oft verwenden und gegebenenfalls auch monetarisieren lässt.

Skalierbares Einkommen ist ein Schlüssel, um Deinen Lebensunterhalt als SchriftstellerIn zu verdienen. Und das Buch an und für sich ist wirklich das ultimative skalierbare Produkt.

(3) Entwickle mehrere Einkommensströme

Es gibt diesen verbreiteten Mythos hinsichtlich des Bücherschreibens. Der Mythos besteht darin, dass man ein erstes Buch schreibt, dieses Buch verkauft sich dann millionenfach und danach ist man Multimillionär und kann sich zur Ruhe setzen.
Nun, das passiert tatsächlich gelegentlich, aber das ist – oh Wunder – nicht die Realität der meisten AutorInnen. Und wenn man sich die reichsten AutorInnen der Welt anschaut, so sind dies Menschen, die konsequent geschrieben haben, ein oder mehrere Bücher pro Jahr.
Diese Autoren haben mehrere Einkommensströme. Das hat zum einen etwas mit der oben beschriebenen Skalierbarkeit zu tun, indem ein Buch auf mehrere unterschiedliche Weisen verwertet und möglichst breitgefächert zum Kauf angeboten wird, zum anderen aber auch mit Aktivitäten des Autors bzw. der Autorin selbst. So zum Beispiel lassen sich Lesungen, Vorträge und Diskussionsteilnahmen organisieren, die honoriert werden. Man kann seine Expertise anderen Autorinnen und Autoren auch als Schreibcoach oder Lektor anbieten, entweder online oder auch in Form von Workshops oder beides. Darüber hinaus kann es eine lukrative und auch sehr interessante Sache sein, unter verschiedenen Pseudonymen in verschiedenen Genres zu veröffentlichen. Ich mache das auch so. Und davon abgesehen, dass das die Einnahmen vermehrt, macht dieses Spiel mit verschiedenen Identitäten auch noch Spaß.

Du solltest auf jeden Fall darüber nachdenken, mehr Bücher zu schreiben, in andere Genres zu expandieren und mehrere Einkommensströme für den langfristigen Erfolg beim Schreiben zu generieren.

(4) Denke global, mobil und digital

Für viele AutorInnen ist es das Ziel, ihr physisches Buch in einem lokalen Buchladen zu sehen. Daran ist nichts auszusetzen, und ich rate dringend dazu, es zu versuchen. Es gibt noch immer sehr viele Akteure im Literaturbetrieb, die eine Autorin oder einen Autor erst dann ernstnehmen, wenn dieser entscheidende Schritt, nämlich die (flächendeckende) Präsenz im stationären Buchhandel, gegangen ist. Aber man sollte sich nicht allein darauf fixieren. Selbst wenn man es nicht in den stationären Buchhandel schafft, kann man vom eigenen Schreiben im Zeitalter des Selfpublishing und der Globalisierung ganz gut leben, selbst als deutschsprachige(r) Autor(in). Durch Amazon, Google, Apple & Co. sind unsere Bücher nahezu weltweit zu kaufen, und die deutschsprachige Community ist doch weiter auf der ganzen Welt verstreut, als man vielleicht glaubt. Hinzu kommt die Möglichkeit, die eigenen Bücher in andere Sprachen zu übersetzen, wodurch sich die potentielle Leserschaft natürlich noch einmal vervielfachen lässt, weil Sprachen wie Englisch und Spanisch natürlich weiter verbreitet sind als Deutsch. Und man darf dabei nicht vergessen, dass gerade in manchen großen Ländern (vor allem im asiatischen Raum, vielleicht aber auch schon bald auf dem afrikanischen Kontinent) der Boom von eBooks und dergleichen sicherlich noch bevorsteht.

Als Autor-Unternehmer flexibel, global, mobil und digital zu denken, anstatt ausschließlich das eigene Buch physisch im lokalen Buchladen sehen zu wollen, eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten, um erfolgreich seinen Lebensunterhalt vom Schreiben zu bestreiten.

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