Ein paar Worte zur Klimax

Dieser Moment, wenn der Höhepunkt einer Geschichte so atemberaubend ist, dass man ihn nicht sofort verarbeiten kann und das Buch erst einmal zur Seite legen muss, um das Ganze auf sich wirken zu lassen. Solche Geschichten sind selten, aber wenn man sie liest, vergisst man sie nicht mehr.

Positionierung des Höhepunkts

Der Höhepunkt ist der aufregendste oder erstaunlichste Moment in Ihrer Geschichte. Es ist der Moment, in dem sich das Engagement des Lesers auszahlt. Er hat nun über einige hundert Seiten hinweg die Entwicklung der Handlung und der Figuren verfolgt, hat sich Gedanken darüber gemacht, wohin das Ganze führen könnte und möchte am Schluss seine Erwartungen bestätigt (oder widerlegt) sehen. Die Zufriedenheit, die dieser Moment auslöst, ist das Gefühl, das Sie Ihrem Leser vermitteln wollen.

Das Ende Ihres Romans ist die natürliche ›Heimat‹ des Höhepunkts. Es ist der Punkt, an dem die vorangegangenen Entwicklungen kulminieren. Tatsächlich gibt es in Geschichten meist viele einzelne Höhepunkte, die sich jedoch im Verlauf hinsichtlich ihrer Intensität steigern sollten, so dass die absolute Klimax am Schluss steht. Mit »Ende« oder »Schluss« ist hier selbstverständlich nicht unbedingt die letzte Seite Ihres Buches gemeint, sondern eher der letzte Akt oder das letzte Kapitel Ihrer Geschichte.

 

Effektivität

Egal, was dem Höhepunkt folgt, es geht bergab. Der Leser wird nicht mehr so intensiv fühlen, und so ist jeder folgende Satz sozusagen ›schlechter‹ als das, was er bereits gelesen hat. Nicht nur das, denn zusätzliche Informationen beeinträchtigen auch seine Erfahrung und schwächen die starke Emotion des Höhepunkts ab.

Wenn es um die Effektivität Ihrer Geschichte geht, ist es demnach das Beste, mit der Klimax die Leserinnen und Leser emotional zu packen und kurz darauf die Geschichte zu beenden. Je weniger Ereignisse nach der Klimax, desto erstaunlicher wird ihre Nachwirkung sein. Damit steht man als Autorin oder Autor allerdings vor einem Dilemma. Das Beenden der Geschichte auf dem emotionalen Höhepunkt bedeutet, dass man die Nachwirkungen nicht erklären kann. Man kann die Dinge für die Charaktere nicht zum Abschluss bringen, und einige Handlungsstränge bleiben offen, manche Fragen ungeklärt. Wenn man die Klimax einer Geschichte schreibt (und positioniert), geht man als Autorin oder Autor einen Kompromiss zwischen der eigenen Zufriedenheit und der emotionalen Reaktion des Lesers ein.

Der Schlüssel ist, die Charaktere und die Handlung so zu schreiben, dass der Leser weiß, was nach dem Höhepunkt passiert. Die Versuchung, weiter zu schreiben, wird immer noch da sein, aber zu wissen, dass es nicht notwendig ist, sollte Ihnen helfen, sich dagegen zu wehren. Wenn Ihre Charaktere vollständig verwirklicht sind und die Implikationen der Handlung verstanden werden, dann wird der Leser ahnen, was nach der Klimax kommt, ohne dass Sie es erklären.

Spannung oder Überraschung

Der Höhepunkt ist der extremste Moment Ihrer Geschichte. Es gibt zwei Möglichkeiten, um Ihrem finalen Höhepunkt Wirkung zu verleihen. Die erste ist, diesen Höhepunkt gleichsam aus dem Nichts auftauchen zu lassen, als das Unerwartete, das Überraschende, etwas, mit dem einfach nicht zu rechnen war. Zwar sollte das Ereignis innerhalb der Handlung Sinn machen und nicht völlig losgelöst davon stehen, aber es sollte zugleich absolut nicht vorhersehbar sein.

Die andere Möglichkeit ist, Spannung aufzubauen. Die Auflösung dieser Spannung am Höhepunkt des Buches herbeizuführen, konzentriert das gesamte emotionale Erlebnis des Lesers auf einen einzigen Moment.

Abschließend

Jede der oben genannten Möglichkeiten kann entweder wirkungsvoll oder katastrophal sein. Während es im Prinzip brillant ist, eine Geschichte auf dem emotionalen Höhepunkt zu beenden, sollten Sie dabei aber sicher sein, dass die Leser eine Ahnung davon haben, was danach passieren würde, sonst werden sie sich unwohl und verwirrt fühlen.

Das Potenzial für einen großen emotionalen Effekt ist mit einem großen Risiko verbunden, aber wenn Sie ein kulminierendes Ende erzeugen können, dann haben Sie die Art von Buch geschrieben, das möglicherweise einen viralen Effekt hervorrufen kann, weil sich die Leute gegenseitig davon erzählen werden.

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