Selfpublishing: Der Klappentext

Wie kriegen Sie den Kern Ihres 300seitigen Buches in einen 15zeiligen Text?

Vermutlich gar nicht. Aber versuchen muss man es – und das ist dann der Klappentext.

Wer als Selbstverleger mit seinem Werk Chancen im Online-Buchhandel haben möchte (und um diesen Markt wird es bei Selfpublishern in der Regel primär gehen), muss dafür sorgen, dass das Buch den potentiellen Lesern interessant genug erscheint, um es letztlich zu kaufen. Während das Cover mitsamt dem Buchtitel der Blickfang und Köder ist, um potentielle Leser und Käufer auf Ihr Werk aufmerksam zu machen und zu einem Klick auf die „Produktdetails“ zu verleiten, ist es Aufgabe des daraufhin neben dem Coverbild erscheinenden Klappentextes (auch „Kurzbeschreibung“ genannt), die Angelockten zu überzeugen und schließlich zu den nächsten Klicks (z. B. Leseprobe/“Blick ins Buch“) zu animieren – die dann hoffentlich Ihr Buch zu guter Letzt in den Warenkorb führen.

Klarheit und Seriosität

Um dies Ziel zu erreichen, sollte Ihr Text klar aussagen, um was es in Ihrem Buch geht. Keine verschwurbelten Wortblasen und inhaltlosen Satzhüllen á la „soetwas haben Sie noch nicht gelesen – einfach phänomenal“ oder ein lapidares „ein gutes Buch – überzeugen Sie sich selbst“. Das kann natürlich lustig sein, aber zu besseren Verkaufszahlen wird es wohl nicht führen.

Auf Superlative oder Adjektive wie „phänomenal“, „herzzerreißend“, „faszinierend“, „außergewöhnlich“ oder gar „genial“ sollten Sie verzichten und den Lesern selbst die Beurteilung dessen überlassen, was sie dann hoffentlich nach einem käuflichen Erwerb lesen werden. Eine Ausnahme ist hier, wenn solche Vokabeln in Zitaten von Erst-Lesern wiedergegeben werden. Dabei sollte es sich allerdings um seriöse Quellen handeln, im besten Falle um Rezensionen in einigermaßen renommierten Medien oder auf einschlägigen Online-Plattformen.

Eine weitere Ausnahme ist denkbar, wenn es sich um ein humoristisches Werk handelt, bei dem auch der Inhalt des Buches nicht ganz ernst zu nehmen ist und mit Ironie, Überspitzungen, Absurdität etc. arbeitet. Dann darf sich dieser Stil auch im Klappentext widerspiegeln.

Verständlichkeit

Auch eine Aneinanderreihung von Eigennamen, Orten und Begebenheiten, die der Leser ggfls. erst durch die Lektüre Ihres Buches kennenlernen würde, ist nicht zielführend. Wenn man überhaupt nicht versteht, wovon die Rede ist, erzeugt das keine Spannung, sondern strapaziert die Geduld.

Ähnlich verhält es sich mit Fachwörtern (bei Sach- und Fachbüchern) oder Fremdwörtern, die möglicherweise nur von einem Bruchteil der potentiellen Leserschaft verstanden werden. Wenn man nicht versteht, wovon gesprochen wird, fühlt man sich nicht angesprochen. Ein anfängliches Interesse, vielleicht aufgrund eines gelungenen Covers und/oder Titels, ist dann schnell wieder verflogen.

Verzichten Sie auf überflüssige Details genauso wie auf substanzloses Geschwafel – sagen Sie Ihren potentiellen Lesern klipp und klar:

  1. Um was geht es wirklich in Ihrer Geschichte?
  2. Was ist der Kern, um den sich alles dreht?
  3. Was ist der Grundkonflikt, der die Spannung erzeugt und die Handlung vorantreibt?

Setting

Und zu alledem sollten Sie natürlich auch noch etwas über Ort und Zeit der Handlung verraten, damit sich der Leser eine Vorstellung über das Setting machen kann. Es macht für die Atmosphäre (und auch für die Einordnung in ein Genre bzw. Subgenre) eines Buches einen großen Unterschied, ob jemand im 19. Jahrhundert auf einem Schiff zum Walfang aufbricht oder ob sich jemand im selben 19. Jahrhundert für zwei Jahre in eine Blockhütte zurückzieht, um der fortschreitend industrialisierten Massengesellschaft der USA zu entgehen; ob jemand im 18. Jahrhundert nach Liliput, Brobdingnag, Laputa und zu den Houyhnhnms reist (und es ist natürlich alles andere als ein Kinderbuch!) oder ob jemand irgendwann in naher Zukunft in einer Tennis-Akademie oder einem Entziehungsheim nach einem unendlich lustigen Film sucht. (Integriertes Literaturrätsel auf Anfängerniveau!)

Zielgruppenansprache

Stellen Sie auch den gesellschaftsrelevanten Bezug Ihrer Geschichte heraus, falls er vorhanden sein sollte; denn das schafft womöglich Identifikation seitens der Leser und weckt ihr Interesse. Lassen Sie ebenso deutlich werden, ob es sich um ein spannendes, lustiges oder trauriges Buch handelt, damit der potentielle Käufer weiß, ob es seiner Bedürfnislage entspricht. Darüber hinaus können Sie im Klappentext auch explizit sagen, an wen sich Ihr Buch primär richtet – das erleichtert der Leserschaft die Entscheidung, ob die Geschichte „etwas für einen ist“. Handelt es sich bei Ihrem Werk um Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenliteratur, ist es eher für Frauen oder für Männer interessant?

Abschließend

Obwohl der Klappentext gewissermaßen ein Teil der Werbung für Ihr Buch ist, darf er gerade diesen Eindruck nicht erwecken. Er soll den Leser überzeugen, aber er darf nicht überreden wollen. Viel länger als 20 Zeilen sollte der Klappentext meiner Meinung nach nicht sein, die eingangs erwähnten 15 Zeilen sind ein guter Richtwert.

Das zuvor Gesagte gilt selbstverständlich für Klappentexte allgemein. Weil aber die Verlage in der Regel wissen, worauf bei der Erstellung solcher Texte zu achten ist, richtet sich dieser Beitrag insbesondere an all diejenigen, die sich ohne Verlag im Rücken durchschlagen wollen oder müssen. Ich hoffe, es hilft ein wenig.


Falls Sie sich damit schwer tun sollten: Professionelle Unterstützung bei der Erstellung eines Klappentextes finden Sie hier.

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