Ein Leben im Sumpf: Shrimps, Ölpest, Goldsuche, Alligatoren und gutes Gras

buchcover_Wes TrenchSüdlich von New Orleans liegt die Barataria Bay, ein labyrinthisches Sumpfgebiet aus hunderten kleinen Inseln und verzweigten Wasserwegen. Hier leben die Menschen vom Shrimp-Fang. Doch seit der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon, bei der Millionen Liter Öl ins Meer flossen, werden die Krabben immer weniger; und die, welche in den Netzen an Bord gezogen werden, sind blass und klein, als wäre das Leben aus ihnen herausgesaugt.

Der ölbeschmierte Pelikan schreit wie ein gequältes Kind, Libellen glitzern wie Edelsteine, Ölplattformen erinnern an Raumschiffe. In dieser Gegend lebt der 17jährige Wes Trench, Titelfigur des Romans Das zerstörte Leben des Wes Trench von Tom Cooper. Es ist eine männerdominierte Welt, Frauen werden in dem Buch konsequenterweise bestenfalls am Rande erwähnt und spielen gerade durch ihre Abwesenheit eine Rolle. Neben Wes, der wie sein Vater Krabbenfischer werden möchte, begegnen dem Leser noch einige weitere markant gezeichnete Figuren. Und diese begegnen sich beinahe allesamt auch wechselseitig, denn neben den Weiten des Sumpfes konzentriert sich das gesellschaftliche Leben des Romans vor allem auf die kleine Gemeinde Jeanette. Es sind allesamt kaputte Typen, zusammengesetzt aus Desillusionierung, Pragmatismus, Kriminalität und Drogenkonsum. Und doch hat ein jeder von ihnen – man weiß nicht warum – noch immer ein Quäntchen Hoffnung auf den großen Fang, seien es nun Shrimps, Drogen, Piratengold oder ein anderer Big Deal.

Tom Cooper ist mit seinem Debütroman ein gutes Buch gelungen, sprachlich überzeugend, dramaturgisch konzis, atmosphärisch und durch die Figurenzeichnung erinnernd an Filme der Coen-Brüder, mit einer Prise Huckleberry Finn und Don Quixote.

Mehr zu den eigenwilligen Charakteren des Buches, zum eigentlichen Bösewicht des Romans und auch dazu, warum der deutsche Buchtitel etwas irreführend ist und welcher Songtext mir bei der Lektüre unwillkürlich in den Sinn kam, kann man in meiner ausführlichen Buchrezension auf bookwatch.de erfahren.


Tom Cooper: „Das zerstörte Leben des Wes Trench“. Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg. Ullstein, Berlin 2016; 384 S., 22 €.

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