Harsche Kritik am Blogbuster-Preis

Ich war etwas überrascht und auch irritiert, als ich gestern den aktuellen Newsletter vom Uschtrin-Verlag bzw. von der Autorenwelt erhalten habe, der regelmäßig über neu ausgeschriebene Literaturwettbewerbe und -stipendien informiert.

Neben anderen Preisen war dort auch der Blogbuster-Preis 2018 aufgeführt. Dieser Preis startete im letzten Jahr zum ersten Mal und gründet auf einer Initiative von Tobias Nazemi vom Blog Buchrevier. Die Idee dieses Preises ist, durch eine Bloggerjury einem bisher unveröffentlichten Roman-Manuskript zu einer Verlagsveröffentlichung zu verhelfen.

Ich war nicht überrascht darüber oder irritiert dadurch, dass dieser Preis im Newsletter aufgelistet war, sondern vielmehr durch den angefügten Kommentar der Herausgeberin des Newsletters und Verlegerin Sandra Uschtrin, den ich im Folgenden zitiere:

[* Ein solcher »Preis« bringt mich, Sandra, in die Zwickmühle: Liste ich ihn nun auf unserer Website oder nicht? Und wenn ich es nicht tue: Bevormunde ich dann nicht unsere User?
Zu »gewinnen« gibt es nämlich nur einen Verlagsvertrag. Folglich gibt es jährlich rund 70.000 »Wettbewerbe« (um Programmplätze) und »Preise« (= Verlagsnovitäten). Mich ärgert das, schließlich sucht jeder Verlag nach brauchbaren Manuskripten. Auch, dass dort niemand bereit ist und/oder auf die Idee kommt, Geld in die Hand zu nehmen, um diesen »Preis« zu einem Preis zu machen. Und das alles ausgedacht von Leuten, die es besser wissen müssten. Erbärmlich.]

Ich wäre vorher nicht auf die Idee gekommen, dass es am Blogbuster-Preis etwas zu kritisieren geben könnte, da mir das eine rundum gute Sache schien. Weil ich andererseits aber Sandra Uschtrin bisher als eine recht kompetente und vernünftig denkende Frau eingeschätzt habe, bin ich irritiert. Auf der einen Seite also eine ganze Menge geschätzter Literaturblog-Kolleginnen und -kollegen, zudem im Verbund mit dem renommierten Kein & Aber Verlag sowie der ebenso renommierten Literaturagentur Elisabeth Ruge sowie dem ebenso renommierten Literaturkritiker Denis Scheck sowie weiteren, sicher ebenfalls sehr renommierten Leuten, auf der anderen Seite die durchaus auch recht renommierte Verlegerin (Uschtrin Verlag), Herausgeberin (Federwelt / Der Selfpublisher) und Autorenwelt-Gründerin Sandra Uschtrin.

Was letztere kritisiert, ist, dass es sich beim Blogbuster-Preis aus ihrer Sicht offenbar nicht um einen wirklichen Preis handele. Zum einen, weil es keinerlei Preisgeld zu gewinnen gibt, zum anderen, weil der Preis eines Verlagsvertrags ebenfalls auf anderem Wege, nämlich durch eine ´normale Bewerbung´ bei den Verlagen um einen der Programmplätze, erlangt werden könne. Diese Argumentation von jemandem, der es besser wissen müsste, verwundert mich ebenfalls.

Ja, ich gebe Sandra Uschtrin dahingehend recht, dass ein bisschen Preisgeld sicher auch eine schöne Sache wäre. Darüber freut man sich als Autorin oder Autor. Aber man freut sich beinahe noch mehr über einen vernünftigen Verlagsvertrag. Und implizit zu behaupten, dass es keinen qualitativen Unterschied gebe zwischen der Teilnahme an einem Wettbewerb, der dem Siegertext einen konkreten Verlagsvertrag garantiert, und der Einsendung eines unverlangten Manuskripts bei einem Verlag, passt eigentlich nicht zu einer Frau, die sich mit dem Verlagswesen und dem Literaturbetrieb gut auskennt. Nicht von ungefähr hatte sie einen entsprechenden Artikel dieses Blogs zum Thema „Unverlangte Manuskripte“ über Twitter geteilt und meinem Blog dadurch zu ungewöhnlich hohem Traffic verholfen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Weil sie die in meinem Artikel geschilderten Bedingungen hinsichtlich des Umgangs mit unverlangt eingesandten Manuskripten also offensichtlich gut getroffen fand, ist es umso erstaunlicher, dass von ihr nun der Vorteil einer Teilnahme am Blogbuster Preis gegenüber der unverlangten Einsendung eines Manuskripts an einen Verlag geleugnet wird. Der grundsätzliche Vorteil besteht bereits schon darin, dass die Manuskripte bzw. Exposés, die eingereicht werden, tatsächlich auch in jedem Fall zumindest einmal angeschaut und geprüft werden. Davon darf man bei einer unverlangten Einsendung leider nicht unbedingt ausgehen.

Darüber hinaus besteht der Preis nicht nur in einer garantierten Verlagsveröffentlichung, sondern auch in einer optionalen Vertretung durch eine renommierte Literaturagentur. Auch das ist etwas, was man ansonsten nicht ´einfach ebenso mal´ bekommt. Und zu verachten sind die Präsentation des Gewinnertextes im Rahmen der Frankfurter Buchmesse (unter anderem durch Denis Scheck) und die damit verbundene Publicity sicher auch nicht.

Mich würde also interessieren, was genau Sandra Uschtrin so sehr ärgert, dass sie diesen Preis aufführt, nur um ihn in einem Kommentar schlecht zu reden. Tendiert das nicht zu einer Bevormundung oder zumindest zu einer Beeinflussung der User? – Wenn ich den Blogbuster Preis vergleiche mit so manchem anderen Wettbewerb, der ausgeschrieben und ebenfalls bei Uschtrin weiter verbreitet wird, muss ich sagen, dass der Blogbuster Preis sich durchaus sehen lassen kann. Mitunter gibt es nämlich auch Wettbewerbe, bei denen man lediglich irgendwelche (manchmal noch nicht einmal konkret benannte) Sachpreise gewinnen kann oder bei denen man zunächst eine Teilnahmegebühr entrichten soll oder bei denen der Hauptpreis in 200 EUR besteht und der Veröffentlichung in einer belanglosen Anthologie, die man sich dann zu einem angeblich vergünstigten, aber immernoch viel zu hohen Autorenpreis kaufen darf.

Natürlich gibt es auch richtig tolle und lukrative Literaturpreise. Und natürlich wäre der Blogbuster Preis noch toller, wenn es auch noch einen kleinen Batzen Kohle zum Verlagsvertrag dazu gäbe. Und ja, man kann sich vielleicht auch daran stoßen, dass der Preis – genau betrachtet – in erster Linie eine Profilierungsangelegenheit von Bloggern ist, um zu zeigen, dass sie gute Literatur erkennen und entdecken können. Hier kämpft ein kleines, noch immer etwas zu schlecht beleumundetes Völkchen auch ein bisschen gegen seine Komplexe und um verdiente Anerkennung. Aber ich finde nicht, dass man den Preis deshalb schlecht machen muss, denn schlecht ist er nicht. Er ist sogar, wie ich finde, eine gute Sache.

Aber Sandra Uschtrin und ihren Service finde ich nach wie vor auch gut. Man muss sich ja nicht immer grundsätzlich für eine Seite entscheiden, nur weil es mal Meinungsverschiedenheiten gibt.

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