Keine Angst vor dem ersten Entwurf! – 5 Fakten, die Mut machen sollen

Der erste Schritt ist immer der schwierigste, und wenn es ums Schreiben geht, kann dieser Schritt unüberwindbar erscheinen. Den ersten Entwurf Ihrer Geschichte auf Papier zu bringen, ist der schwierigste Teil des Schreibens eines Romans und die Hürde, an der die meisten Menschen scheitern. Es gibt vermutlich Tausende, die sich nicht einmal dazu bringen können, anzufangen, weil der zu bewältigende Berg zu groß erscheint.

Aber ist es eventuell möglich, dass Schriftstellerinnen und Schriftsteller (oder solche, die es gerne werden würden) an einen solchen ersten Entwurf falsch herangehen? Und wenn ja, gibt es einen anderen Weg, vielleicht vorgeschlagen von Autoren, die von der ersten leeren Seite den Weg bis in die Regale der Buchhandlungen geschafft haben? Könnte man die notwendige Herangehensweise in fünf Fakten zusammenfassen, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man sich hinsetzt, um seinen ersten Entwurf zu schreiben?

Wir können es versuchen.

1 Es wird schwer werden.

Den ersten Entwurf zu schreiben, ist kein Basteln oder Anpassen, es ist der Akt, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Eine Geschichte, die nur in Ihrem Kopf existiert, zu nehmen und sie Wort für Wort auf das Papier bzw. auf die Festplatte zu bringen. Selbst wenn Sie die ganze Geschichte in Ihrem zweiten Entwurf vollkommen abändern, arbeiten Sie zumindest mit etwas, das bereits existiert. Beim ersten Entwurf ist das noch nicht so: Es gibt keine Hinweise darauf, wie, wann oder wo etwas passieren sollte. Die Vorstellungskraft ist eine unendliche Ressource, und es ist eine gewaltige Aufgabe, sie in eine bestimmte Form zu zwingen.

Wenn ich schreibe, fühle ich mich wie ein armloser, beinloser Mann mit Kreide im Mund.

– Kurt Vonnegut

 

Selbst wenn Sie am Ende die Art und Weise nicht mögen, wie Sie etwas geschrieben haben, wird das Umschreiben einfacher sein, weil Sie jetzt einen Bezugsrahmen haben. Nachdem Sie einmal etwas aus dem Nichts geschaffen haben, wird es leichter.

Chuck Palahniuk’s »Fight Club« begann seine Existenz übrigens als Kurzgeschichte. Aber nachdem Palahniuk die Idee auf Papier festgehalten hatte, baute er sie auf der Grundlage dessen, was vorhanden war, zu einem Roman aus. Jeder Satz, den Sie schreiben, macht die Geschichte realistischer und einfacher zu verarbeiten – auch wenn sie zunächst vielleicht nicht besonders gut geschrieben ist.

 

2 Es wird nicht gut werden.

Die Umwandlung der unbegrenzten Möglichkeiten Ihrer Vorstellungskraft in die erkennbare Form einer Geschichte wird schwierig sein; die unmittelbare und direkte Gestaltung der Geschichte in einer hinreichend ansprechenden Form ist beinahe unmöglich.

Der erste Entwurf ist immer scheiße.

– Ernest Hemingway

 

Egal, wie viel Sie geschrieben haben oder wie gut Sie es machen, Ihr erster Entwurf ist Neuland. Das Ziel ist es, von A nach B zu gelangen, so gut es geht, sich ein Bild von den Dimensionen des Raumes zu machen, mit dem man arbeitet.

 

3 Es muss nicht gut sein.

Gutes Schreiben entsteht aus mehreren Entwürfen, Experimenten und brutalem Wegstreichen, und nicht einmal Shakespeare konnte das in einem einzigen Arbeitsschritt innerhalb seines Kopfes tun. Ihre ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Entwürfe sind alle Teile desselben Prozesses, und das ist keine Schande. Betrachten Sie Ihren endgültigen Entwurf als die Antwort auf eine schwierige Frage bzw. Aufgabe und alles, was dem vorausgeht, ist das Ausarbeiten, das Sie dorthin bringt.

Der erste Entwurf eines Textes, das bist einfach du, der dir selbst die Geschichte erzählt.

– Terry Pratchett

Der erste Entwurf ist nicht für Ihre Leser, es sind die Notizen, die Sie benötigen, um etwas zu schreiben, das ihnen gefallen wird. Ungeschickte Sätze können Sie im Nachhinein erschauern lassen, aber das ist okay, denn sie sind nur dazu da, um Ihnen zu helfen, später etwas Besseres daraus zu machen.

Manchmal ist der beste Weg etwas zu lernen, es falsch zu machen und dann zu schauen, was man getan hat.

– Neil Gaiman

 

4 Es soll schnell sein.

Viele Autorinnen und Autoren unterschätzen, wie grob ein Rohentwurf wirklich sein kann. Wenn Sie beispielsweise wollen, dass sich eine Figur von einem Ort zum anderen bewegt, aber nicht wissen, wie sie sich bewegt bzw. dorthin kommt, machen Sie einfach einen Vermerk (z. B. „Reise nach xxx“) und setzen Sie die Figur dort in der Geschichtenwelt ab, wo Sie sie haben wollen, um später noch einmal auf die genauen Umstände der Reise bzw. des Weges dorthin zurückzukommen.

Mit etwas so Schwerem wie dem Schreiben eines ersten Entwurfs müssen Sie in Bewegung bleiben. Lassen Sie sich nicht in ein schwieriges Kapitel verstricken, wenn Sie stattdessen die folgenden Kapitel in einem Fluss niederschreiben könnten.

Ich glaube der erste Entwurf eines Buches, selbst eines dicken, sollte nicht mehr als drei Monate dauern.

– Stephen King

 

Zu viel Zeit für den ersten Entwurf aufzuwenden, kann für das Romanprojekt tödlich sein. Die Schwierigkeit kann dich frustrieren, so dass du am Ende dort, wo es am einfachsten ist, besser wirst. Das Umschreiben eines ersten Entwurfs kann überraschend einfach sein, aber das Umschreiben eines Manuskripts, das ein Flickenteppich aus erstem, zweitem und drittem Entwurf ist, kann ein Kopfschmerz werden, den Sie nicht brauchen.

5 Sie können es wirklich schaffen.

Denken Sie daran, dass Sie alles an Ihrer Rohfassung ändern werden, was Ihnen nicht gefällt. Und bis es soweit ist, gibt es keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen.

Jeder große Autor kämpft mit seinem ersten Entwurf, und jeder große Autor schafft es. Da es nicht gut sein muss, ist alles, was man braucht: Ausdauer. Nichts sonst gibt Ihnen so sehr das Gefühl, ein echter Autor zu sein, wie ein komplettes Manuskript, das vor Ihnen auf dem Tisch liegt.

Arbeiten Sie schnell und kontinuierlich, lassen Sie sich nicht unnötig ablenken, und Sie werden sich dieses Gefühl verdient haben.

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