Wie man mehrere Antagonisten verwendet – und wie nicht

Können mehrere Antagonisten in einer Geschichte funktionieren? Die Antwort hängt – wie immer – davon ab, wie die Autorin oder der Autor die Antagonisten anlegt und in Szene setzt. Es gibt wirklich großartige Geschichten, die überhaupt keine Antagonisten haben, und andere großartige Geschichten, in denen es drei oder noch mehr Antagonisten gibt. Auch spielt natürlich das Genre, in dem man schreibt, eine Rolle. Ein großangelegtes Fantasy-Epos, das sich womöglich über mehrere Tausend Seiten erstreckt, verträgt mit Sicherheit mehrere Antagonisten; bei einem schmalen Roman von 250 Seiten könnten mehrere Antagonisten die Handlung abschwächen, anstatt sie zu bereichern. Aber wie gesagt, hängt dies auch immer von der Umsetzung ab.

Eine Geschichte mit mehreren überzeugenden Antagonisten zu schreiben, ist keine leichte Aufgabe, aber es kann sich lohnen, um in der Geschichte einen spannenden, realistischen Konflikt zu erzeugen.

Was ist ein „Antagonist“?

Ein Antagonist ist eine Figur, die sich dem Protagonisten entgegenstellt. Auf den ersten Blick scheint der Begriff ein Synonym für »Bösewicht« zu sein, aber das ist nicht zutreffend. »Bösewicht« ist eine moralische Kategorie. Es handelt sich dabei um eine Figur, die falsch oder unmoralisch agiert. Demgegenüber ist ein Antagonist zunächst einmal lediglich eine Figur, die dem Protagonisten bei der Verfolgung seines Ziels im Weg steht. Das könnte im Extremfall sogar bedeuten, dass, wenn der Protagonist einer Geschichte ein Bösewicht ist, der Antagonist sogar ein Held sein könnte. Selbstverständlich wird eine solche Konstellation wohl nur in etwas experimentelleren Romanen vorkommen.

Jemanden eher als Antagonisten denn als Bösewicht zu bezeichnen, deutet ebenfalls darauf hin, dass er weniger Absicht hat, Schaden anzurichten. Wenn der Protagonist zur Arbeit eilt, dann ist die Person, die langsam vor ihm fährt, nicht unbedingt ein Bösewicht (sie möchte keinen Schaden verursachen), aber sie ist in gewisser Weise ein Antagonist (sie steht den Zielen des Protagonisten im Weg). Wir kennen das aus dem echten Leben und Straßenverkehr: Antagonisten müssen nicht böse sein, damit man sie hassen kann.

Schließlich muss ein Antagonist auch nicht unbedingt eine Person sein. Der Antagonist in einer Geschichte ist jede identifizierbare Kraft, die dem entgegenwirkt, was der Leser als den besten Weg für den Protagonisten versteht; es könnte ein Mensch sein, aber es könnte genauso leicht eine Naturkatastrophe, eine Gesellschaft oder ein Geisteszustand sein.

Das bedeutet auf der einen Seite viel Verantwortung für den Autor, auf der anderen Seite eröffnet es dem Autor aber auch die Möglichkeit der Wahl. Die Verwendung mehrerer Antagonisten ermöglicht es Ihnen, einen Protagonisten an mehreren Fronten herauszufordern.

Kurz gesagt, mehrere Antagonisten bedeuten mehr Optionen für den Autor; aber viele Optionen zu haben, macht das Schreiben nicht unbedingt einfacher.

 

Der Torwächter ist nicht das Ziel

Der Grundgedanke des Geschichtenerzählens ist, dass ein Protagonist etwas tun will, aber es gibt Hindernisse. Oftmals kommen diese Hindernisse in Form eines Antagonisten vor, und genau hier machen viele Autorinnen und Autoren einen Fehler. Wenn ein einzelner Antagonist zwischen einem Protagonisten und seinem Ziel steht, kann es sein, dass dieser Antagonist zum Ziel wird. Ein solcher finaler und dualistisch angelegter Konflikt kann zu einer großartigen Geschichte führen – vor allem in den Genres Fantasy und Romantik eignet sich diese Anordnung –, aber es ist auch eine Falle, die Autoren davon abhalten kann, komplexere Handlungen zu entwerfen. D. h., obwohl der Antagonist dem Protagonisten den Weg versperrt, sollte die Beseitigung des Antagonisten selbst nicht unbedingt das Ziel sein, sondern nur das Hindernis vor dem Ziel.

Was man sich vergegenwärtigen muss, ist, dass das Vorhandensein eines Antagonisten keine essentielle Storytelling-Voraussetzung ist. Wenn der Protagonist darum kämpft, etwas zu tun, dann ist das eine Geschichte. Ein Antagonist könnte der interessanteste Weg sein, diesen Kampf für den Protagonisten zu erschweren, aber das macht ihn nicht notwendig.

Das mag offensichtlich klingen, aber es kann schwierig sein, es in die Praxis umzusetzen. Häufig konzentrieren sich Autoren auf die Beziehung zwischen Protagonist und Antagonist und nicht auf Protagonist und Ziel, was sie dazu bringen kann, die Beziehung als inhärent wechselseitig zu gestalten. Wenn die Geschichte ›Protagonist vs. Antagonist‹ ist, dann haben wir die klassische James-Bond-Story: Der eine will die Welt beherrschen und der andere will das lieber nicht und versucht, es zu verhindern.

Stellen Sie sich eine Geschichte vor, in der ein Protagonist und ein Antagonist darüber streiten, wer einen Kuchen essen darf. Beide wollen sich gegenseitig ausschließende Ergebnisse zum genau gleichen Thema. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Geschichte, aber sie bietet kaum Platz für einen zweiten Antagonisten. Wenn der Antagonist so eng mit dem Kampf des Protagonisten verbunden ist, was kann dann ein anderer tun? In dieser Situation ist der einzige verfügbare Weg, einen anderen Antagonisten vorzustellen, der auch den Kuchen essen will. Und dann kommt womöglich noch ein dritter Antagonist hinzu, der auch den Kuchen essen will. Und so weiter.

Jetzt gibt es zwar mehrere Antagonisten – man hat technisch gesehen mehr Möglichkeiten – aber jeder von ihnen wird von den anderen abgeschwächt. Als es nur einen Antagonisten gab, stand dieser im Mittelpunkt aller Konflikte, aber jetzt, da der gleiche Konflikt zwischen mehreren Figuren aufgeteilt ist, wird er zugleich in seiner Wirkung abgeschwächt. An dieser Stelle ist es an der Zeit, über Unterschiede in der Anlage von Antagonisten zu sprechen.

 

Differenzierung der Antagonisten

Stellen wir uns das obige Kuchen-Szenario mit zwei Antagonisten vor und lassen Sie uns drei Varianten dieser Geschichte untersuchen. Im ersten Fall wird der Protagonist zwei gleich starken Antagonisten gegenübergestellt. Dadurch werden beide Antagonisten weniger bedeutend, weil sie nun den Konflikt teilen, der zuvor einem Antagonisten allein ›gehörte‹.

In der nächsten Variante ist ein Antagonist schwach und der andere stark. Nun unterscheiden sich die Antagonisten in ihrer Größe. Sie sind in den gleichen Konflikt verwickelt, sie bieten die gleiche Opposition an, aber eine ist eine größere Bedrohung als die andere. An dieser Stelle ist klar, dass der starke Antagonist die ›echte‹ Bedrohung ist und der schwache Antagonist weitaus weniger bedenklich.

In der letzten Variation bringt der starke Antagonist den Protagonisten vom Kuchen weg, während der schwache – aber intelligente – Antagonist versucht, den Kuchen zu entwenden. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das ist ein Unterschied in der Anlage der Antagonisten, und an dieser Stelle ist keiner der beiden Antagonisten unbedingt ein schwierigeres Hindernis als der andere.

Diese letzte Variante ist die überzeugendste Art, mehrere Antagonisten in eine Geschichte einzubauen und sie als verschiedene Arten von Hindernissen zwischen dem Protagonisten und seinem Ziel zu betrachten. Jeder für sich ist jetzt ein engagierter Antagonist; sie fordern den Protagonisten auf unterschiedliche Arten heraus, wodurch sie sich nicht mehr denselben Konflikt teilen müssen. Mehrere Antagonisten können zugleich die Gesundheit, die Psyche und die wirtschaftlichen oder sozialen Verhältnisse des Helden angreifen, wobei dann jeder Antagonist sein eigenes ›Ressort‹ erhält.

Das heißt nicht, dass die Unterschiede in der Art der Antagonisten enorm sein müssen; nur insoweit, dass der Leser die individuellen Einflüsse mehrerer Antagonisten vollständig wahrnimmt. Auf diese Weise können Unterschiede in der Art den Raum für mehrere überzeugende Antagonisten schaffen.

Nachdem Sie die Unterschiede in der Art der Antagonisten abgedeckt haben, ist es an der Zeit, zu der Idee zurückzukehren, dass die Niederlage des Antagonisten nicht das Ziel Ihres Protagonisten sein sollte.

Antagonisten brauchen Fokussierung

Das Problem mit dem Kuchenszenario, das ich oben beschrieben habe, ist, dass, egal wie unterschiedlich die Herangehensweise jedes Antagonisten auch sein mag, sie immer noch hinter der gleichen Sache her sind. Auch wenn sie den Protagonisten auf verschiedenen Einflussebenen – in diesem Fall physisch und intellektuell – bekämpfen, teilen sie sich immer noch einen einzigen Konfliktpunkt, nämlich den Kuchen (den sie sich ja gerade nicht teilen wollen).

Für viele Autoren scheint die Antwort darin zu bestehen, eine neue Konfliktquelle hinzuzufügen – der Protagonist will einen Kuchen und wird vom starken Antagonisten bekämpft, aber da der schwächere Antagonist auch etwas vom Rampenlicht braucht, will der Protagonist jetzt auch noch ein Glas Limonade, das aber der schwächere Antagonist nicht herausrücken will. Jetzt hat jeder Antagonist seinen eigenen Konfliktpunkt, aber die Geschichte wurde zu diesem Zweck verzerrt. ›Schwabbelige‹ Geschichten sind weniger spannend, und die Stärkung der Rolle des Antagonisten wird dieses Defizit nicht ausgleichen.

Stattdessen ist die Antwort: die einzelnen Antagonisten vom ›Endziel‹ des Protagonisten zu entfernen.

Überlegen wir uns also eine neue Variante der Kuchengeschichte. In dieser Geschichte stiehlt sich der Protagonist von der Arbeit weg, um stattdessen zur Konditorei zu fahren und den letzten Kuchen seiner Art zu kaufen. Wie er von dessen Existenz erfahren hat, lassen wir an dieser Stelle offen. Ein missgünstiger Arbeitskollege hat das Verlassen des Arbeitsplatzes bemerkt, ruft unterwegs an und erklärt, dass er dies der Geschäftsleitung melden will, während der Protagonist weg ist. Der Protagonist widersteht dem ersten Impuls, umzukehren und ihn zu stoppen, und steigt stattdessen auf sein E-Bike, um zur Konditorei zu fahren. Dann bemerkt er, dass der Akku leer ist. Er winkt ein Taxi herbei und steigt ein. Während der Fahrt wird augenfällig, dass der sehr redselige Fahrer offenbar ortsfremd ist und den Weg zu Konditorei nicht kennt. Der Protagonist versucht nach Kräften, ihm den Weg zu erklären, der Fahrer nimmt die Anweisungen aber nur widerwillig entgegen und spricht stattdessen lieber über andere Dinge. Sobald das Taxi dann letztlich doch noch vor der Konditorei anhält, bemerkt der Protagonist, dass er kein Bargeld für den Fahrer hat, aber er weiß, dass in wenigen Minuten der letzte Kuchen weg sein könnte. Er verspricht dem Fahrer, mit Geld zurückzukehren, aber der Fahrer verlangt, dass er direkt zu einer Bank geht – andernfalls rufe er die Polizei. Obwohl besorgt, ignoriert der Protagonist diese Drohung und eilt in den Laden, wo er mit einem anderen Kunden kämpfen muss, um den letzten Kuchen zu bekommen. Er ringt den anderen Kunden nieder, schlägt ihn bewusstlos und nimmt ihm dessen Geld ab, um Kuchen und Taxifahrer zu bezahlen. Er hat es geschafft. Der noch offene Konflikt mit dem missgünstigen Arbeitskollegen sowie die möglichen Konsequenzen der begangenen Körperverletzung lassen Fortsetzungen der Geschichte zu.

In diesem Szenario wollen alle drei Antagonisten (Arbeitskollege, Taxifahrer, anderer Kunde) unterschiedliche Dinge, und doch handeln sie alle gegen das gleiche Ziel, nämlich dass der Protagonist seinen Kuchen bekommt. Indem man sich auf die Beziehung des Protagonisten zu seinem Ziel konzentriert, ist es einfach, Antagonisten zu entwickeln, die alle unterschiedliche Dinge wollen und die alle unterschiedliche Arten von Hindernissen darstellen.

In der realen Welt sind die Leben der Menschen auf unterschiedliche Weisen miteinander verknüpft, was dazu führt, dass sich die Menschen mitunter gegenseitig ›bekämpfen‹; nicht unbedingt weil sie wollen, dass jemand anderer es schwer hat, sondern weil ihr eigenes Streben nach einem Ziel bedeutet, dass sie gegen die Wünsche eines anderen handeln müssen. Das macht diesen Antagonismus nicht weniger intensiv oder aufrichtig, aber es bedeutet, dass die Menschen, die unseren Zielen im Weg stehen, nicht unbedingt »Bösewichte« sind und dass sich ihr Antagonismus oft nur auf einzelne Lebensbereiche beschränkt.

 

Realistische Motivationen

Hier lassen sich einige allgemeine Ratschläge zu Antagonisten anknüpfen, nämlich dass sie ihre eigenen Ziele und Motivationen haben sollten. Versuchen Sie, die Ereignisse aus Sicht der Antagonisten zu betrachten – auch wenn die Geschichte nicht aus deren Perspektive erzählt werden soll. Auf diese Weise können alle Konflikte aus realistischen, konsistenten Verhaltensweisen und Einstellungen entstehen.

Antagonisten sind am effektivsten, wenn der Leser ihren Standpunkt sehen – und glauben – kann. Die Idee von »Person verfolgt Ziel« sollte in beide Richtungen gelten, sowohl für den Protagonisten als auch für den Antagonisten. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Ziel das gleiche sein muss. Der Antagonist tritt in eine bestehende Beziehung zwischen Protagonist und Ziel ein.

Betrachten Sie Ihren Protagonisten versuchsweise als ein kleines Kind, das eine Sandburg baut. Das ist das Ziel Ihres Protagonisten, der Fokus des Begehrens dieser Figur. Der Antagonist ist kein anderes Kind, das die Burg kaputt treten will (wenn der Antagonist so sein sollte, ist er kein besonders gut entwickelter Charakter). Er ist stattdessen jemand, der achtlos über die Burg hinwegläuft, während er versucht, einen Frisbee zu fangen, oder jemand mit einem Metalldetektor, der denkt, dass an genau dieser Stelle ein wertvoller Schatz vergraben ist. Der Antagonist verfolgt sein eigenes Ziel und kommt dabei dem Protagonisten beim Erreichen seines Ziels in die Quere. Es ist diese Art von Haltung, die mehrere Antagonisten innerhalb einer Geschichte funktionieren lässt, und es ist die perfekte Verbindung von Form und Inhalt. Gestalten Sie Ihren Antagonisten als jemanden, der außerhalb der Beziehung zwischen Protagonist und Ziel steht, aber durch das Verfolgen eigener Ziele in dieses ›perfekte System‹ eindringt und stört; und die Leserinnen und Leser werden sofort verstehen, warum der Protagonist ihn nicht um sich haben will.

Verzahnung Ihrer Geschichte

Die Fokussierung auf die Protagonisten-Ziel-Beziehung ermöglicht es Ihnen auch, Ihre Geschichte so zu verzahnen, dass Sie mehrere Antagonisten ›besiegen‹ können. Wie oben eingangs des Kuchen-Szenarios bereits erwähnt, verzerrt das Hinzufügen eines Antagonisten mit eigenem Konflikt eventuell die ideale Form der Geschichte. Wenn es in der Kuchengeschichte darum geht, wie der Protagonist den missgünstigen Kollegen, den Taxifahrer und den anderen Kunden ›besiegt‹, dann ist der Erfolg erst durch eine mäandrierende Reise zwischen verschiedenen Punkten möglich. Wenn es in der Kuchengeschichte aber allein um den Protagonisten geht, der versucht, einen Kuchen zu essen, dann kann alles andere ad acta gelegt werden, sobald das passiert. Oder aber, wie bereits angedeutet, es ergibt sich daraus Stoff für eine Fortsetzung der Geschichte.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, mit mehreren Antagonisten und ihren unterschiedlichen Konflikten umzugehen. Entweder wird die Geschichte so geschrieben, dass die Leserinnen und Leser mit dem Erfolg oder Misserfolg hinsichtlich eines Ziels zufrieden sind, oder alle Konfliktpunkte werden der Reihe nach aufgelöst, oder das Erreichen des Ziels löst buchstäblich jeden Konfliktpunkt auf, der aufgetreten ist.

Eine mögliche Lösung wäre in unserem Beispiel, dass der kuchenessende Protagonist mit dem Restgeld, das er dem anderen Kunden entwendet hat, den Taxifahrer bezahlt, und die Geschäftsleitung, die inzwischen von dem missgünstigen Kollegen informiert worden ist, erscheint vor Ort, ist aber von der Entschlossenheit und Durchsetzungsfähigkeit des Protagonisten so beeindruckt, dass sie ihn nicht feuert, sondern ihm eine Führungsposition anbietet.

Das mag ein wenig konstruiert wirken, was daran liegt, dass es das auch ist – aber ein solches Verfahren ist das Fundament vieler erfolgreicher halbstündiger Sitcom-Serien. Es liegt in der Macht eines Autors, Situationen zu erzeugen, in denen diese Art von Auflösung im Rahmen der erschaffenen Welt vollkommen vernünftig bzw. folgerichtig erscheint.

Wenn nicht, ist die andere Option immer vorhanden: Schreiben Sie einfach Konfliktinstanzen so, dass das Ziel des Protagonisten das ist, was wirklich zählt. Legen Sie den kuchensüchtigen Protagonisten als jemanden an, der nur diesen einen Leckerbissen braucht, um vollkommenes Glück zu empfinden, und der Leser wird nichts dagegen haben, dass der Kollege zur Geschäftsleitung geht oder dass er bereits eine Sirene in der Ferne hört: er hat den Kuchen gehabt, und alles andere ist nebensächlich.

Manchmal wünscht sich ein Schriftsteller jedoch einen zentralen Antagonisten, dessen Niederlage das einzige Ziel des Protagonisten ist, oder dass sich der Protagonist auf dem Weg zu einer größeren Herausforderung mit kleineren Problemen auseinandersetzen muss. Aber auch in diesem Fall können weitere Antagonisten innerhalb einer Geschichte funktionieren.

 

Antagonisten als ›Unebenheiten auf dem Weg‹

Ich habe bereits erwähnt, dass Fantasy-Geschichten oft das Modell des ›Antagonisten als Ziel‹ nutzen: Es ist das Ziel, den ›Hauptbösewicht‹ zu besiegen. Und auf dem Weg dorthin müssen kleinere Antagonisten aus dem Weg geräumt oder überwunden werden. Beliebt ist es auch, dass die kleineren Antagonisten Kräfte eines größeren Übels sind, das dahinter steht und letztlich auf den Protagonisten wartet.

Wenn wir einen einzelnen Antagonisten als einen Berg betrachten, den der Held besteigen muss, um sein Ziel zu erreichen, dann können sich diese sekundären Antagonisten eher wie Unebenheiten auf dem Weg anfühlen, bevor der Protagonist zum Hauptbösewicht hinan steigt. Um den einzelnen Antagonisten Bedeutung zu verleihen, können dem Protagonisten mit jedem Sieg über einen der kleineren Antagonisten neue Fähigkeiten erwachsen, die er benötigt, um am Schluss gegen den Endgegner bestehen zu können. Hier wird ein einziges Ziel zu vielen, und mehrere Antagonisten werden mit spezifischer Relevanz versehen. Der Sieg über einen der kleineren Antagonisten wird zu einem deutlichen Fortschritt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, nämlich den Sieg über den Endgegner.

Stellen Sie sich hingegen die Szene aus »The Matrix Reloaded« vor, in der der Protagonist von einer Armee identischer Antagonisten namens »Smith« bekämpft wird. Einige sehen es wahrscheinlich als eine spannende Kampfszene an, aber nur wenige würden wohl behaupten, dass der Zuschauer Zufriedenheit aus der Niederlage eines einzelnen Angreifers zieht. Die Herausforderung ist zu diffus, und so fühlt sich der Fortschritt des Helden nicht existent an. Die Ausweglosigkeit dieser Situation wird auf diese Weise trefflich dargestellt.

Stellen Sie sich nun dieselbe Szene mit einer Zahl in der rechten oberen Ecke vor, die zählt, wie viele Antagonisten besiegt werden müssen, bevor der Protagonist entkommen kann. Ein solcher Counter würde sofort die Progression des Helden für den Betrachter quantifizieren – die Siege über die einzelnen, identisch scheinenden Antagonisten namens »Smith« würden Gewicht erhalten, weil ihr individueller Wert sichtbar gemacht würde.

Komplexere Fantasy-Geschichten wie die Serie »A Song of Ice and Fire« und sogar »Der Herr der Ringe« tun das Gleiche – der Leser wird dazu gebracht, den Wert vieler verschiedener antagonistischer Kräfte zu verstehen, auch wenn sie im Dienste eines einzelnen Antagonisten stehen, und sieht daher Wert in ihrer individuellen Niederlage.

 

Abschließend

Wie immer wird die Kombination aller oben genannten Techniken die besten Ergebnisse liefern.

Denken Sie zuerst an das Ziel Ihres Protagonisten. Welche Ressourcen werden benötigt, um das Ziel zu erreichen?

Als nächstes denken Sie darüber nach, wie jemand dem Protagonisten eine dieser Ressourcen für eigene Zwecke vorenthalten könnte. Die Figur des Antagonisten sollte etwas für sich selbst wollen; die Unannehmlichkeiten für den Protagonisten sind nur eine Nebenwirkung.

Platzieren Sie diese neue Figur nun da in der Geschichte, wo sie den Protagonisten am einfachsten und vollständigsten dieser Ressource berauben kann.

Versuchen Sie schließlich, eine andere Ressource zu wählen, die dieser Antagonist nicht bedrohen würde. Greifen Sie diese Ressource mit einem zweiten Antagonisten an, aber tun Sie Ihr Bestes, um ihm eine andere Sichtweise auf den Protagonisten zu geben, als der andere Antagonist besitzt.

Beginnen Sie vom Ziel aus und greifen Sie Ihren Protagonisten an – denken Sie daran, dass die Geschichte aus Konflikten entsteht, und je weniger Bereiche, in denen Ihr Protagonist sicher ist, desto interessanter und spannender ist die Geschichte für die Leserinnen und Leser. Verwenden Sie mehrere Antagonisten, um sicherzustellen, dass Ihr Held nirgendwo sicher ist.

Lesen Sie zu diesem Thema ergänzend auch die Beiträge »Wie viele Figuren soll ich verwenden?«, »Wie man lebendige Nebenfiguren erschafft«, »Kümmern Sie sich um den Antagonisten!«, »Wie Sie Ihrem Protagonisten echte Persönlichkeit verleihen« und »Figuren, wie in Stein gemeißelt«.

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