So schafft man den NaNoWriMo – Teil 1

Heute hat der NaNoWriMo begonnen! Was ist der NaNoWriMo? – Für diejenigen, die es nicht wissen: NaNoWriMo ist die Abkürzung von »National Novel Writing Month« und findet jedes Jahr im November statt.  Die teilnehmenden Autorinnen und Autoren sind aufgefordert, 50.000 Wörter in dreißig Tagen zu schreiben. Teilnehmen kann jede Autorin und jeder Autor – es bedarf keinerlei Anmeldung, denn eine jede und ein jeder nimmt in freiwilliger Selbstverpflichtung teil und ist sozusagen Teilnehmer und Juror in Personalunion. Wenn man das festgesetzte Ziel nicht erreicht, hat man das alleine sich selbst gegenüber zu verantworten. Dieses ›Happening‹ hat sich mittlerweile auf der ganzen Welt durchgesetzt.

Es besteht kein Zweifel, dass es eine Herausforderung ist, ein solches Pensum innerhalb eines dermaßen eng gesteckten Zeitrahmens zu bewältigen. Aber es ist eine Herausforderung, der Autorinnen und Autoren durchaus in der Lage sind zu begegnen, besonders mit ein wenig Hilfe. Deshalb gibt es diese begleitende Beitragsreihe auf indieautor.com. Sie ist so angelegt, dass alle relevanten Bereiche des Romanschreibens abgedeckt sind und möglichst chronologisch, den verschiedenen Arbeitsphasen entsprechend, abgehandelt werden. Dabei dienen die einzelnen Teile der Reihe als eine Art Leitfaden, der die wichtigsten Punkte anspricht und zur Vertiefung jeweils weiterführende Ressourcen aufführt. Es handelt sich bei diesen Ressourcen um weitere Beiträge auf indieautor.com, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Romanschreibens beschäftigen. In den Kommentaren zu den jeweiligen Artikeln haben Sie die Möglichkeit, konkrete Fragen zu stellen.

 

Das Beste aus NaNoWriMo herausholen

NaNoWriMo ist eine ernsthafte Herausforderung für Autoren, und man kann leicht aus der Spur geraten, wenn man sich zu viel vornimmt. Ziel ist es, 50.000 Wörter zu schreiben, in der Regel in Form eines ersten Entwurfs. Sie sollten sich nicht zum Ziel setzen, Ihren 80.000 Wörter umfassenden Debütroman innerhalb dieses einen Monats in perfekter Form fertigzustellen. Das wird höchstwahrscheinlich nicht gelingen können.

Viele Autorinnen und Autoren finden NaNoWriMo aufgrund eines solchen falschen Verständnisses unmöglich – wie sollen sie in dreißig Tagen einen überzeugenden, abendfüllenden Roman schreiben? Wie gesagt, das sollen sie gar nicht. Sie sollen 50.000 Wörter schreiben, ohne sich allzu viele Gedanken über das bereits Geschriebene zu machen. Die Tatsache, dass Sie keine Zeit haben, während des laufenden NaNoWriMo zurückzublicken und irgendetwas von dem bereits Geschriebenen zu bearbeiten, wird es Ihnen ermöglichen, erfolgreich zu sein und das gesetzte Pensum zu bewältigen.

Denken Sie daran, dass Sie versuchen, Ihren ersten Entwurf zu schreiben. NaNoWriMo ist nicht die Zeit, um Ihre Arbeit ständig zu bearbeiten und neu zu schreiben. Bei NaNoWriMo geht es darum, das Rohmaterial zu erstellen, das Sie dann anschließend zu einem formvollendeten Werk weiterbearbeiten können. Das Ziel besteht nicht darin, in dreißig Tagen etwas Fertiges zu schreiben, sondern die Zeitbeschränkung zu nutzen, um Perfektionismus zu vermeiden und sicherzustellen, dass man überhaupt etwas schreibt.

Empfohlene Lektüre:

Keine Angst vor dem ersten Entwurf! – 5 Fakten, die Mut machen sollen

 

 

Wie man beim NaNoWriMo anfängt

Als Konzept ist der »National Novel Writing Month« einfach genug, um in einen Satz zu passen: Schreiben Sie 50.000 Wörter im November. Das könnte für Sie ausreichend sein. Vielleicht sind Sie in der Lage, diese Idee aufzunehmen und in realistische Ziele umzusetzen, die Sie über den Monat verteilen.

Wenn ja, dann setzen Sie sich hin und legen Sie los! – Für diejenigen, die vielleicht etwas Unterstützung bei diesem Vorhaben gebrauchen können, gibt es Tools, die helfen. Wenn Sie in Ihre Suchmaschine ›National Novel Writing Month‹ eingeben, wird dies eine Vielzahl an Ressourcen hervorbringen, die Sie sich anschauen können. An erster Stelle wird Ihnen die offizielle Seite des NaNoWriMo genannt werden. Auch wenn diese Seite in Englisch ist, lohnt es sich, einmal einen Blick darauf zu werfen. Sie empfiehlt Ziele, verfolgt und belohnt Ihre Fortschritte und gibt Ihnen Zugang zu einer Gemeinschaft von (überwiegend englischsprachigen) Autorinnen und Autoren, die die gleichen Prüfungen und Schwierigkeiten durchlaufen wie Sie. Wenn Sie es ernst meinen mit dem Erreichen Ihrer NaNoWriMo-Ziele und des Englischen einigermaßen mächtig sind, sollten Sie vielleicht erwägen, sich dort anzumelden. Es gibt dort aber sogar auch einen eigenständigen Bereich für deutschsprachige Autorinnen und Autoren.

Das Beste am NaNoWriMo-Ansatz ist, dass man gewzungen ist, sich realistische Ziele für den gesamten Monat zu setzen, um wirklich den ersten Entwurf eines Buches fertigzustellen.

Empfohlene Lektüre:

Die Liebe zum Schreiben – und ihre Gefahren

8 Schritte, ein Buch zu beginnen und zu beenden

 

Es kann sein, dass Sie bereits eine Idee haben, die Sie entwickeln möchten. Wenn nicht, könnte es sich lohnen, bereits zuvor von Ihnen Geschriebenes noch einmal durchzusehen, um Inspiration zu finden.

Empfohlene Lektüre:

Ideen-Recycling

 

 

Wie man eine Geschichte aufbaut

Geschichten gibt es in allen Formen und Größen, aber sie haben eine Grundstruktur. Wahrscheinlich denken Sie jetzt, dass ich Ihnen etwas von »Anfang, Mitte, Ende« erzählen möchte. Aber obwohl das sicher im Grunde genommen auf jede Geschichte zutrifft, ist es zugleich ein wenig zu einfach strukturiert. Stattdessen sollte man die Struktur einer Geschichte etwas präziser fassen:

Der Protagonist der Geschichte will ein Ziel erreichen, findet aber seinen Erfolg durch Hindernisse blockiert. Er (oder sie) kämpft mit diesen Hindernissen und triumphiert schließlich (nach einigen zwischenzeitlichen Rückschlägen).

Mit sehr wenigen Ausnahmen ist das die Grundstruktur einer Geschichte. Bevor Sie anfangen zu schreiben, sollten Sie sich also möglichst über diese Grundfragen Ihrer Geschichte im Klaren sein:

  • Was will mein Protagonist?
  • Will ich, dass er (oder sie) sein Ziel erreicht?

Lassen Sie vorerst andere Fragen außen vor, und beschäftigen Sie sich wirklich mit diesen beiden. Sie brauchen keine definitiven Antworten, es ist sogar gut, verschiedene Optionen offenzuhalten. Stellen Sie sich auf dieser Basis noch weitere Fragen:

  • Welche Art von Charakter würde sich dieses Ziel wünschen?
  • Welche Art von Hindernis würde es dem Charakter besonders schwer machen?

Sie werden sicher (vielleicht etwas verwundert) festgestellt haben, dass hier nicht vorgeschlagen wird, mit der Entwicklung der Figuren anzufangen. Das widerspricht vermutlich dem Instinkt vieler Autorinnen und Autoren. Einige Anbieter von literarischen Ratschlägen schlagen vor, dass man eine Figur in eine Situation bringt, um dann zu sehen, was daraus entsteht. Tatsächlich ist dies ein Ansatz, den auch ich selbst des Öfteren verwende bzw. verwendet habe. Allerdings eignet sich dieser Ansatz meiner Meinung nach vor allem für Kurzgeschichten und andere Kurzprosa. In Kurzformen kann sich eine solche Herangehensweise sicher als tragfähig für die gesamte (kurze) Geschichte erweisen. Für mich funktioniert das jedenfalls ziemlich gut.

Aber großangelegte Geschichten sind im Allgemeinen nicht ›charakterstrukturiert‹. Sie können sich zwar auf die Figuren konzentrieren, sie können sich um die Protagonisten drehen, aber sie folgen immer einer Reihe von Ereignissen. Es ist immer ein Handlungsgerüst, das der Geschichte ihre Struktur gibt, und nicht ein ›Charaktergerüst‹. So zum Beispiel sind die Harry-Potter-Bücher nicht derart strukturiert, dass die Leser in Buch 1 Harry sein ganzes Leben lang begleiten, in Buch 2 Hermine im Zentrum der Betrachtung steht, und in Buch 3 Ron gefolgt wird, etc. Stattdessen wird allen Charakteren dabei zugesehen, wie sie sich in Anbetracht eines unheimlichen Feindes und verschiedener Gefahren behaupten müssen, um schließlich zu obsiegen.

Ein dunkles Geheimnis oder eine obskure Bedrohung sind vielleicht nicht die originellsten thematischen Elemente, aber sie sind ein sicherer Garant für eine zuverlässige Struktur. Und sobald Ihre Protagonisten mit diesen Hindernissen konfrontiert werden, werden sie ohnehin beginnen, ein Eigenleben zu entwickeln, und die Geschichte wird sich automatisch darauf konzentrieren, wie die Figuren mit den Schwierigkeiten umgehen.

Jetzt haben wir also einen einfachen Protagonisten, der etwas will und hart kämpfen muss, um es zu bekommen. Versuchen Sie, die Dinge so hart wie möglich für den Protagonisten zu machen – Konflikte sind schließlich Geschichten. Bringen Sie diese drei Elemente miteinander in Verbindung: Protagonist, Ziel, Hindernisse. Was Ihr Protagonist will, verrät Ihnen viel über ihn (oder sie); und der Versuch, die Hindernisse dementsprechend anzupassen, dass es für den Protagonisten besonders schwer wird, wird Ihnen noch mehr über ihn (oder sie) verraten. An dieser Stelle könnte es sinnvoll sein, wenn Sie sich notieren, was Sie bereits über Ihre Geschichte wissen.

 

Weitere Charaktere entwickeln

Denken Sie nun an Figuren, die etwas in die Geschichte einbringen können, was der Protagonist nicht tut. Ist der Protagonist lustig? Wenn nicht, kann ein lustiger Charakter die Geschichte bereichern. Wenn Ihr Protagonist bereits ein Witzbold ist, dann würde vielleicht ein Stoiker als Gegenpart weitere Möglichkeiten eröffnen. Fügen Sie einen Charakter hinzu, der Ihnen Raum zum Arbeiten gibt und Ihre dramaturgischen Möglichkeiten erweitert, dann einen anderen, und dann einen nächsten. Verbringen Sie nicht zu lange Zeit damit; für den Anfang ist es genug, mehr oder weniger das charakterliche Gegenteil von Ihrem Protagonisten einzusetzen und dann zu versuchen, jemanden zu finden, der sich seinerseits von den beiden unterscheidet. Verbringen Sie jetzt einige Zeit damit, sich vorzustellen, wie diese Charaktere interagieren, aber konzentrieren Sie sich auf Ihren Protagonisten, der auf sein Ziel hinarbeitet. Welche Charaktere helfen und behindern ihn dabei ›organisch‹? D.h., welche Figuren stehen dem Protagonisten aufgrund ihrer Charakterbeschaffenheit und ihren damit verbundenen eigenen Zielen und Motivationen im Weg? Vielleicht treten einige Charaktere durch eine solche Betrachtungsweise in den Vordergrund, während andere wieder zu Nebencharakteren werden.

Sobald Sie dies getan haben, haben Sie eine grundlegende Handlung und eine grundlegende Besetzung von Charakteren, so einfach diese anfänglich auch sein mögen.

Empfohlene Lektüre:

Warum Ihre Protagonisten ein Ziel haben müssen

 

Plotting und Zeitpläne

Das letzte, was Sie vor Beginn Ihres Schreibens beachten sollten, ist die Erstellung einer Zeitleiste für Ihre Charaktere. Dies ist eine Tabelle, in der die Ereignisse Ihrer Geschichte in eine grundlegende Zeitstruktur (d.h. auch: Tagesstruktur) zerlegt werden und herausgefunden wird, was jede wichtige Figur zu jeder Zeit tut. Eine einfache Zeitleiste hilft, eine Geschichte zu strukturieren und dumme Fehler zu vermeiden.

Beginnen Sie mit den Hauptfiguren, schreiben Sie auf, was sie vorhaben, und versuchen Sie dann, eine vage Vorstellung davon zu bekommen, wo die anderen Charaktere jeweils sind. Wir benötigen an dieser Stelle noch keine Details – Ihre Zeitleiste ist ein lebendiges Dokument, das Sie anpassen und sogar neu erfinden können (und wahrscheinlich werden), wenn Ihre Geschichte Gestalt annimmt. Wir brauchen für den Anfang nur eine vage Idee, die als Referenz dient, während Sie schreiben. Dies ist Ihr sicherster Schutz gegen Plotlöcher in Ihrem ersten Entwurf.

Empfohlene Lektüre:

Wie man mit Plotlöchern umgeht

 

Machen Sie sich jedoch keine Gedanken über zu viele verschiedene Handlungsstränge. Tatsächlich ist es eine gute Idee, nach der Regel zu leben, dass das neueste Kapitel Vorrang hat. Zögern Sie nicht, Fakten in Kapitel zwei anzuerkennen, die Sie in Kapitel eins vielleicht nicht berücksichtigt haben. Möchten Sie den Namen einer Figur, ihren Aufenthaltsort oder sogar ihr Hauptziel ändern? Tun Sie so, als hätten Sie die Änderung vorgenommen. Es hat keinen Sinn, an einer Idee festzuhalten, die Ihnen nicht mehr gefällt, und es gibt (während des NaNoWriMo) keine Zeit, das bereits Geschriebene zu korrigieren. Notieren Sie sich einfach, was Sie verändert haben, und kommen Sie voran. Der nächste Entwurf ist für die Überarbeitung vorgesehen; für die Verfeinerung der Fakten, das Ausbügeln der Details und das Hinzufügen von Rafinessen.

 

Zusammenfassung der Kernkonzepte

Das ist also Ihre Grundierung für die erste Woche des NaNoWriMo. Hier ist noch einmal eine vereinfachte Auflistung der wichtigsten Punkte:

Versuchen Sie nicht zu viel – schreiben Sie eine 50.000-Wörter-Geschichte. Sie können diesen ersten Entwurf später zur Perfektion bringen. Jetzt geht es erst einmal einen Monat lang um das pure Schreiben.

Setzen Sie sich realistische Ziele für den kommenden Monat. Seien Sie dabei streng zu sich selbst, aber verlangen Sie nichts Unmögliches. Am Ende des Monats werden Sie sich selber für jedes geschriebene Wort danken.

Wenn Sie versuchen, etwas Neues zu erschaffen, beginnen Sie mit dem Ziel Ihres Protagonisten und fügen Sie dann Konflikte und weitere Charaktere hinzu, die das Potential des Protagonisten zum Vorschein bringen.

Eine grundlegende Zeitleiste wird Sie bei der Organisation des Plots unterstützen. Aber halten Sie nicht starr daran fest, sondern geben Sie jeweils Ihren neuesten Einfällen Vorrang. Sie können anschließend fast alles bearbeiten, erweitern und verändern. Wichtig ist, dass Sie mit dem Schreiben vorankommen, denn Sie benötigen den ersten Entwurf als Rohstoff.

Wenn Sie sich tiefergehend Inspiration und Rat holen möchten, lesen Sie die in diesem Artikel empfohlene Lektüre. Sie sollten wahrscheinlich mit »Die Liebe zum Schreiben – und ihre Gefahren« beginnen, da eine der größten Hürden für den Anfang darin besteht, dem Drang zu widerstehen, zu planen, zu planen, zu planen, anstatt zu schreiben, zu schreiben, zu schreiben.

Datenschutzhinweis zur Kommentarfunktion: Kommentare werden an die WordPress-Entwickler von Automattic Inc. in den USA weitergeleitet und auf Spam überprüft. Mailadressen werden an den WordPress-Dienst Gravatar weitergeleitet zur Prüfung, ob ein Profilbild vorliegt. Falls Du nicht mit Deinem WordPress-Konto angemeldet bist, kannst Du selbst entscheiden, ob Du zu Deiner Mailadresse Deinen wirklichen Namen oder ein Pseudonym angeben möchtest. Die Freischaltung des Kommentars erfolgt manuell durch indieautor.com nach inhaltlicher Überprüfung. Auf Wunsch werden Deine Kommentare auch gerne wieder gelöscht. Mehr Infos findest Du in der Datenschutzerklärung.

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.